​Mt. Shasta – Etna

In der Kleinstadt Mount Shasta hatten wir gegen Nachmittag bereits alles erledigt, duschen, Wäsche waschen und einkaufen für die nächste Etappe. Drei weitere Hiker gesellten sich im Lauf des Tages noch zu uns, ein Korse, ein Tscheche und ein Slowake. So waren wir 6 Thruhiker am Campground. Am frühen Abend gingen wir nochmal in die Stadt um ein Eis zu essen. Mount Shasta ist eine nette Kleinstadt, die dank der vielen Touristen (vor allem Wanderer und Bergsteiger) viele Restaurants und Cafes hat. In einem der Cafes trafen wir auf Crazy Horse und Maybe – wir freuten uns sehr die beiden nochmal zu sehen. Nach einigen Stunden Plaudern im Cafe verabschiedeten wir uns, denn am nächsten Morgen wollten wir früh starten. Die beiden wollten noch 2 Tage bleiben. Sie haben nicht wie wir das Ziel, den PCT komplett trotz der erschwerten Bedingungen durch den diesjährigen Megaschnee zu schaffen. 
Dank Amtrak brauchten wir keinen Wecker, gegen 7 Uhr standen wir auf und packten unsere Sachen. Nach einem Kaffee am Campground gönnten wir uns zuerst noch ein Frühstück im Bioladen, und machten uns dann auf Richtung Trail. Wir mussten noch in Dunsmuir zum Postamt, um unser Paket mit Bärenkanistern und ein paar Klamotten weiter zu schicken. Gegen 11:30 Uhr war alles erledigt und wir schon zurück auf dem Trail. Das hatte schneller geklappt als erwartet. Es ging bergauf – den ganzen Tag. Ein Anstieg von 1100 Höhenmetern lag vor uns – verteilt auf knapp 16 Meilen. Zum Glück war es nicht ganz so heiss und je höher wir kamen, desto angenehmer wurde es. Immer wieder mussten wir über Baumstämme klettern, die während des Winters umgefallen sind. Das verlangsamt auch und ist anstrengend.

Wo Stephan drüber steigen kann, muss Irene oft klettern.

Klapperschlange Nr. 5 erwartete uns am Berg, sie war allerdings noch sehr klein und verschwand nach einem kurzen Klappern direkt im Gebüsch. An einem kleinen Platz auf 1800 m schlugen wir nach gut 8 Stunden Wandern bergauf gegen 20 Uhr unser Zelt auf.

Fürs Mattenaufpusten ist meist Stephan zuständig

Am nächsten Morgen ging es weiter nach oben – das Panorama war atemberaubend, und zum Glück war der Schnee größtenteils verschwunden, so dass wir gut vorankamen.

Tolle Fernsicht hat man bei dem schönen Wetter fast jeden Tag

Der Trail schlängelte sich die Hänge entlang, meist war er heute sehr steinig, was für Füße und Knie sehr viel unangenehmer ist als weicher Waldboden. Ein Hirsch kreuzte unseren Weg, und viele kleine Echsen, ein paar Streifenhörnchen und ein winziger Hase. Es gibt hier erstaunlich kleine Häschen, die manchmal unvermittelt quer über den Trail hopsen. 
Mehrere Wanderer kamen uns entgegen, darunter auch eine Gruppe von 4 Personen, die 3 Hunde dabei hatten. Hunde! Hurra! 2 der Hunde hatten kleine Packtaschen, in denen sie ihr Futter trugen. Natürlich streichelten wir die Hunde und wie immer nahmen wir sofort unsere Trekkingstöcke in eine Hand, um die Hunde nicht zu verunsichern. 

Auch wenn es erst 17 Uhr war, schlugen wir unser Zelt an einem tollen See auf – 20 Meilen waren geschafft, der nächste Platz zum Zelten weitere 7.7 Meilen entfernt. Man muss auch mal genießen können. 

Gibt’s einen schöneren Platz zum Schlafen?

Der nächste Tag begann wie üblich – Aufwachen um 6 Uhr, anziehen, Schlafsäcke und Isomatten einpacken, Zelt abbauen und frühstücken. Wir frühstücken entweder Poptarts oder Oatmeal (Schmelzhaferflocken mit Geschmack), verfeinert mit Nutella. An diesem Tag gönnten wir uns beides 🙂
Um 7 Uhr ging es dann los, und bereits nach wenigen Minuten sahen wir zwei Weißwedelhirsche – Mama mit Kind. Das kleine sprang etwas verschreckt an Mamas Seite, aus sicherer Entfernung blieben die beiden dann jedoch relativ gelassen, Mama scheint Hiker am Trail gewohnt zu sein.

Neugierige Blicke

Wir wanderten auf schmalem Pfad die Hänge entlang, zum Glück ohne grössere Schneefelder, die Hitzewelle der letzten beiden Wochen hat den Trail vom Schnee befreit.

An den Berg geschmiegt windet sich der Weg über Meilen

Ab und zu liegt noch ein bisschen an einer schattigen Stelle, aber mehr als 4, 5 Schritte über Schnee waren es nie. Wieder begegnete uns ein Wandertrupp mit Hund, einem fröhlichen hellen Labbi, der uns sofort begeistert begrüßte. 
Der teils sehr steinige Weg führte am Abend steil bergab und nach 23,6 Meilen waren wir froh, einen Campground zu erreichen. Ein echter Campground, wie es hier viele gibt – auch erreichbar mit dem Auto, mitten im Wald mit abgeteilten Parzellen. Jede Parzelle hat einen fest installierten großen Tisch, Bänken, einem Platz fürs Zelt und ggf. das Auto sowie einem Feuerring für Lagerfeuer und Grillen. Wasser, Strom oder gar einen Shop gibt es natürlich nicht, aber nur ein paar Meter entfernt fliesst ein Bach, aus dem wir unsere Wasserflaschen füllen konnten.

Außer uns waren nur wenige hier, am Wochenende ist es sicherlich voller. Wir suchten uns also eine Parzelle aus und ließen uns erleichtert auf den Bänken nieder – Bank und Tisch sind hier auf dem Trail ja wirklich selten, und so etwas banales wie die Möglichkeit, am Tisch zu sitzen und zu essen kann richtig glücklich machen! 

Während wir müde und entspannt dort saßen, kam ein Hirsch vorbei gelaufen – die Büsche hier scheinen lecker zu sein, der Hirsch knabberte die Büsche an, seine großen Ohren wedelten unablässig die Fliegen und Mücken weg. Das sind die wirklich wunderschönen Momente, die die schmerzenden Füße wettmachen – Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können! 

Wegen der vielen Bäume konnten wir nur den Hintern knipsen

Morgens ging es dann erstmal wieder bergauf, der Pfad war steinig, wechselte aber immer wieder auch zu angenehmem Waldboden. Schnell erreichten wir die ‚Trinity Alps Wilderness‘, zum Glück auch hier fast kein Schnee mehr.

Nur noch wenige Schneeflecken sind übrig

Es ging auf und ab und wieder auf – der Tag bescherte uns wunderschöne Ausblicke und die Landschaft wechselte von Berg zu Berg. Das Panorama wurde dominiert von den schneebedeckten Bergen. 
Wir gaben Gas, auch wenn die Füße müde waren, denn wir wollten so weit wie möglich kommen an diesem Tag. Je mehr Meilen wir schafften, desto weniger blieben für den letzten Tag bis zur Kleinstadt Etna übrig. Es ist einfach schöner, wenn man nicht erst abends ankommt. So schafften wir tatsächlich 25,8 Meilen! Kurz vor dem avisierten Zeltplatz gabs dann noch extra Fitnesstraining – wir überquerten einen Gipfel und standen vor einem Steilhang – der Trail war hier leider für die nächsten 100 Meter unter einem brettharten Schneebrett versteckt. Und es ging steil in die Tiefe…  Wir entschieden uns, lieber über den mit Geröll bedeckten Gipfel auszuweichen und so gabs noch eine kleine Kletterpartie am Abend. 

Irene macht sich gut als Bergziege 😉

Kurz darauf erreichten wir das Plateau, wo wir zelten woĺlten und trafen dort auf 4 Wanderer, die in der Gegenrichtung unterwegs waren. 2 Schweizerinnen und 2 Amerikaner. 
Wir tauschten uns über die Schneelagen und bisherigen Erfahrungen aus und verbrachten einen netten Abend. Nach dem langen Wandertag – wir waren mehr als 12 Stunden gelaufen – ging es jedoch für alle schnell ins Zelt. 

Fast jeden Tag dürfen wir den Sonnenuntergang genießen, wenn wir nicht schon schlafen.

Am nächsten Morgen brachen wir bereits gegen 6 Uhr auf, schon voller Vorfreude auf die Stadt Etna, die nur noch etwa 13 Meilen entfernt war. Zuerst aber mussten diese 13 Meilen erstmal gelaufen werden. Es ging bergab und dann natürlich auch wieder bergauf, sehr steile Hänge entlang. Für Irenes Unwohlsein bei solchen Steilhängen war gesorgt…

Die Russian Wilderness in den Trinity Alps ist toll

Wieder kam uns ein Grüppchen mit Hunden entgegen, was uns natürlich sehr freute. Kurz darauf sahen wir dann Bär Nr. 4 – diesmal dunkelbraun, und überraschend schnell. Er rannte einen langen Hang hinab, möglich, dass er uns gehört hatte und flüchtete. Vielleicht war er aber auch dabei, einer Spur zu folgen. Für ein Foto war er viel zu schnell weg. 
Dann waren es nur noch 4 Meilen – ein bisschen rauf auf 2300 m, um den Berg rum und das wars … dachten wir. Kurz vor dem Gipfel begann ein Schneefeld, etwa 1 Meile lang und es bedeckte den Trail. Entgegenkommende Wanderer hatten uns gewarnt, wir sollten lieber über den Gipfel gehen statt zu versuchen, auf dem schneebedeckten Trail zu bleiben. Also folgten wir dem Rat – und kraxelten den steinigen Gipfel hoch. Oben dann den Gipfel entlang – 1 Meile weiter über Geröll – und dann wieder runter. Alles auf Geröll … Klettererfahrung haben wir jetzt also auch. Gut 2 Stunden haben wir dafür gebraucht, und wir sind heilfroh, dass wir das geschafft haben. Vermutlich wäre das Schneefeld doch einfacher gewesen! 

Der Rest ging dann flugs, eine halbe Stunde später waren wir an der Straße und sofort hielt ein Pickup an und nahm uns mit nach Etna. 

Die Fahrt war spannend, denn die Fahrerin arbeitet im Naturschutz und so konnte sie uns viele Informationen geben über das Ökosystem hier und über die Schwierigkeiten, die Anwohner von Neuerungen zu überzeugen. So ist sie z. B. sehr engagiert dabei, natürliche Waldbrände lieber kontrolliert brennen zu lassen statt jedes Feuer sofort zu löschen. Denn ein Feuer jetzt ist sehr viel ungefährlicher als im heißen und windigen August, und wenn ein Feuer jetzt kontrolliert brennt, ist das Risiko für ein erneutes und dann verheerendes Feuer im August deutlich geringer. Aber davon die Einheimischen zu überzeugen ist natürlich nicht einfach – viel zu lange wurden Feuer immer sofort gelöscht, was der Natur die Chance raubt, sich selbst zu regulieren. Katastrophale Feuer im August waren allzuoft die Folge.

Rechts hinten brennt seit ein paar Tagen ein Feuer. Der Rauch zieht als Schleier durch die umgebenden Täler

Wir werden in der Stadt Etna nun die übliche Routine durchgehen mit Duschen, Wäschewaschen, Essen und Nachschub besorgen und morgen früh gehts dann schon weiter Richtung Seiad Valley. Wegen des bevorstehenden Nationalfeiertags sind die Hotels leider voll, so dass wir diesmal wieder am örtlichen Zeltplatz campen.

Als wir am Abend auf der Zeltwiese am Tisch saßen, standen plötzlich 2 junge Hirsche keine 10 m entfernt neben uns und trabten langsam an uns vorbei. Einfach grandios!

So nah waren wir in Deutschland noch nie einem Reh

Aktuell haben wir 1094 Meilen (1761 km) geschafft, noch gut 1500 weitere Meilen liegen vor uns. 

9 Gedanken zu „​Mt. Shasta – Etna&8220;

  1. Es ist so ungemein spannend eure Erlebnisse zu lesen. Was habt ihr alles zu verarbeiten! Passt gut auf euch auf und genießt diese Zeit, auch wenn es oft große Strapazen sind.

  2. Hi Tolle Panorama Bilder schön sowas zu sehen ganz Ehrlich gesagt ich bin Neidisch aber ihr macht das Klasse und ihr habt Spaß daran und das Motiviert also weiter so und Passt auf euch auf.Gr.Rainer.;)

  3. danke dass ihr uns an eurem Abenteuer teilhaben lasst, man wartet schon beim lesen sehnsüchtig auf den nächsten Bericht und die tollen Bilder 😉
    passt weiterhin auf euch auf 😉 lg

  4. Ihr entwickelt euch ja zum Hanghuhn?
    Tolle Bilder wieder.
    Wieviel Meilen müsst ihr eigentlich noch insgesamt zurück legen ?

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