Von Chester nach Burney

15. bis 19. Juni 2017, 76 Meilen/122 km
Nachmittags ging es in Chester zurück auf den Trail. Es war heiß und wir durchwanderten einen wunderschönen Wald. 

Uns angeschlossen hatte sich ein junger Kanadier, so gingen wir zu dritt auf den Lassen Nationalpark zu. Da man im Nationalpark nicht ohne Bärenkanister campen darf, schlugen wir unsere Zelte kurz vor dessen Grenze auf. Die Bärenkanister wiegen mehr als 1 kg, deshalb hatten wir unsere per Post weiter geschickt. Außer für die Durchquerung des Lassen Nationalparks werden wir sie erst wieder brauchen,wenn wir in die High Sierra zurückkehren. Abends wurden die Mücken nun zum ersten Mal zur Plage, so dass Jacob, der Kanadier, ein kleines Campfeuer machte, um die Mücken zu vertreiben. Und das funktionierte ausgezeichnet, unbehelligt von Insekten konnten wir in gemütlicher Runde um das Feuer unser Abendessen genießen. Unser erster Tag seit Truckee ohne Schnee! Und endlich trafen wir wieder andere Hiker! 

Morgens ging es dann in den wunderschönen Nationalpark. Namensgeber ist der über 3100 m hohe Mount Lassen, ein beeindruckender, noch aktiver Vulkan. 

Die vulkanischen Aktivitäten zeigen sich u.a. in einem „kochendem See“, was sehr beeindruckend ist.

Der Nationalpark umgibt diesen Berg mit bewaldeten Hängen, die ein Paradies für Wildtiere sind – besonders Hirsche und Bären, aber auch viele Vogelarten und Otter. Mitten im Nationalpark gibt es eine kleine private Ranch, die während der Sommermonate als kleines, aber feines Hotel betrieben wird. Wir hatten Glück, eine Woche vor unserer Ankunft haben sie eröffnet. Wir hatten sogar doppelt Glück – das Frühstücksbuffet für die Hotelgäste war gerade vorbei, und wir Hiker durften trafitionell zum reduzierten Preis das Buffet stürmen. So hatte das Hotel keine Reste und ein kleines Zubrot, und wir waren satt und glücklich 🙂

Danach – es war gerade mal 9 Uhr morgens – ging es weiter, noch gut 15 Meilen waren es durch den Nationalpark. Auf unserem Weg begegneten wir leider nur einer Hirschkuh, dafür aber auch einem weiteren Bären, den wir aus der Ferne vom Berg oben in der Nähe des Campgrounds im Park sahen. Auch ein kleiner wuseliger Otter kreuzte unseren Weg – bzw. er hoppelte recht unerschrocken vor uns her. Streifenhörnchen überall … Oben auf einer Anhöhe erwartete uns dann wieder – Schnee!

5 Meilen kämpften wir uns durch den matschigen und dadurch sehr rutschigen Schnee, mehrere Bäche mussten wir überqueren, bei allen bis auf einen konnten wir jedoch über umgefallene Bäume balancieren. 

Bei einem leider nicht, da mussten wir durch und hatten danach alle pitschnasse Füße. Trotz Schnee war es aber warm, so dass es zwar unangenehm war, aber unsere Füße waren nicht eiskalt. Nach 5 Meilen endete der Schnee zum Glück, und wir kamen wieder besser voran.

Vorbei an einem noch teilweise gefrorenen See

zeigte sich der Rest des Nationalparks dann eher trostlos, denn Waldbrände hatten vor wenigen Jahren gnadenlos zugeschlagen und wir liefen Meile um Meile durch völlig abgebrannten Wald.

Gut 21 Meilen hatten wir an diesem Tag geschafft, 5 davon auf Schnee. Als wir abends gegen 19 Uhr endlich die Grenze des Parks erreichten (wir also zelten durften), waren dort bereits mehrere Hiker versammelt. Und es kamen noch mehr dazu – alle schleppten sich mit letzter Kraft über die Grenze und freuten sich, es geschafft zu haben. Schon etwas seltsam, wenn sich jeder freut, einen Nationalpark zu verlassen 🙂 Dort trafen wir u. a. auch auf 2 Hiker, denen wir noch nie begegnet waren. Beim ersten Smalltalk stellte sich heraus, dass ‚Crazy Horse‘ ein Oberpfälzer und ‚Maybe‘ Schweizer ist. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und haben uns seither immer wieder auf dem Trail getroffen. Lustig war, dass wir uns noch nie gesehen hatten, Crazy Horse aber trotzdem alles über unseren bisherigen Trip wusste – denn er verfolgte unseren Blog. So kam es mehrfach zu ‚das weiß ich schon‘ – was echt merkwürdig ist, wenn man jemandem das erste Mal gegenüber sitzt. Die beiden waren wie wir durch die Wüste bis zur High Sierra gelaufen und hatten diese dann auch übersprungen. In Chester sind sie wieder eingestiegen.
Abends klönten wir noch bis zum Einbruch der Dunkelheit, und morgens ging es dann früh weiter – ein kleiner Ort namens Old Station lockte alle Hiker vom Trail – 50 Einwohner, aber ein tolles Cafe und ein kleiner Laden zum Auffüllen der Vorräte. Nur 11 Meilen entfernt von unserem Zeltplatz und nur 1 km Umweg, und so sammelten sich ab ca. 11 Uhr dort alle Hiker – es kamen mehr und mehr, das kleine Cafe war völlig überfüllt. Kaffee, Frühstück, Burger, Waffeln, Milkshakes – für jeden war etwas dabei. Die Angestellten waren allerdings völlig überfordert mit der Anzahl der hungrigen Gäste.
Da es sehr heiß war, blieben die meisten bis zum Nachmittag, bei glühender Hitze und greller Sonne sollte man zwischen 11 und 15 Uhr eh Siesta machen. Abends gingen wir dann noch gut 8 Meilen bis zur nächsten Wasserstelle (ein toller Gebirgsbach, leider nur über einen extrem steilen Trampelpfad zu erreichen, 120 Höhenmeter runter auf nur 400 m Länge). 

Aber wat mut dat mut. Wir holten uns 7,5 l, denn der nächste Tag versprach heiß zu werden, 37 Grad waren angekündigt. Und die wurden es auch… 

Vulkanisch geprägte Landschaften mit kargen Wüstenpflanzen – tolle Aussichten zurück auf Mount Lassen und auch nach vorne zum noch 120 Meilen (Fußweg) entfernten Mt. Shasta. 

Aber es war heiß, sehr heiß. Da ist Wandern einfach nur anstrengend und gnadenlos. Seltsam, plötzlich wieder in der Hitze zu sein, nachdem wir so viel Schnee hatten – und auf den nächsten Bergen wartet weiterer Schnee auf uns. Die Hitzewelle, die nun 14 Tage anhalten soll, wird aber hoffentlich viel davon schmelzen. 

Stephan ging es an dem Tag leider nicht gut, ein beginnender Infekt, dazu zuviel Hitze und pralle Sonne sind keine gute Kombination. Das Abendessen landete nachts dann noch neben dem Zelt und somit strichen wir den eigentlich für 6 Uhr geplanten Abmarsch. Die Gluthitze am Sonntag haben wir dann soweit möglich vermieden, die Mittagshitze unter einem großen Baum im Schatten verbracht und sind an diesem Tag nur ca. 11 Meilen über den Rim, also den Rand des Hochplateaus gelaufen. Schatten war rar und der Trail steinig und staubig. 

Unterwegs konnten wir wieder mal an einem, von netten Menschen angelegten, Wasservorrat unserer Flaschen auffüllen.

Es ging noch durch eine friedliche Kuhherde und an einem der seltenen Plätze ohne größere Steine konnten wir dann das Nachtlager aufschlagen. 

Montag Mittag kamen wir dann nach 13 weiteren Meilen in der nächsten Stadt an, Burney, hier werden wir einen Tag pausieren, sicher ist sicher, und bei der derzeitigen Hitze (38 °) ist Wandern eh eher ungesund.

12 Gedanken zu „Von Chester nach Burney&8220;

  1. Hi ihr beiden ?…..wieder einmal begeistert von eurem Bericht . Ich hatte mich schon gefragt wann der erste krank wird , durch die vielen Wetteränderungen. Ich hoffe Stephan geht es wieder besser ?. Wunderschöne Landschaft , man möchte direkt reinspringen . Ich hoffe ihr habt weiterhin eine richtig tolle Zeit , lernt weiterhin nette Menschen kennen ….und passt Bitte auf euch auf ❤….glg Bianca ?

  2. Hallo Ihr Zwei. Ich freu mich immer über eure Berichte. Stephan, dir wünsche ich sehr schnell Genesung. Habt einen schönen freien Tag
    lg Dagmar

  3. Liebe Nene, lieber <stefan, das war wieder ein schöner Blog mit wunderschönen Fotos!Hoffentlich geht es Stefan wieder besser, damit Ihr gut weiterkommt. Aber Ihr seid ja vernünftig und gefährdet Euch nicht selbst. Bei uns geht alles seinen normalen Gang; am Wochenende treffe ich mich mal wieder mit den Cheruskern, diesmal in QQuedlinburg.
    Euch weiterhin fröhliches Wandern und gute Gesundheit! Ganz liebe Grüße! Mama

  4. Hallo ihr beiden hoffe Stephan geht es wieder gut und ihr habt weiter hin Spaß schön aufpassen und weiter gehts.Gr.rainer. ;9

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