Die letzte Etappe 

Es ist geschafft! Nach 6 Monaten in den USA haben wir den Pacific Crest Trail erwandert. Nach der üblichen Definition sind wir zwar keine Thruhiker (wir haben ein paar Meilen gekürzt), aber trotzdem sind wir stolz etwas so besonderes, und vor allem anstrengendes geschafft zu haben. Über 4000 km zu Fuß, bald jeden Tag gelaufen, je 4 Paar Schuhe durch, knapp 1500 Müsli- und Schokoriegel, zwischen 10 und 15 kg abgenommen, Talibanbart gezüchtet, in so guter Form wie seit 25 Jahren nicht mehr, viele Schmerzen ertragen. 

Die letzte Woche war sowohl physisch als auch psychisch nochmal eine Herausforderung. Das Wetter schlug um, der erste Wintereinbruch kam mit Schnee und Kälte. Nachdem wir uns da ein paar Tage durchgeschlagen hatten, nahmen wir unseren letzten Zero-Tag im schönen South Lake Tahoe, einer touristischen Stadt die sowohl Sommer- als auch Wintersport anbietet. Die Pisten waren auch hier bis Ende Juli offen und werden vermutlich in ein paar Wochen schon wieder eröffnet. Zum Glück ging das Tiefdruckgebiet vorbei und die Sonne kam wieder heraus. Allerdings lagen die Temperaturen tagsüber nur um 10-14 Grad und nachts teilweise um -5. So froren wir uns meist einen ab, hatten den ganzen Tag unsere Fleecejacken an und suchten Zeltplätze die nicht unter 5 cm Schnee lagen.

Frühstück bei Minusgraden

A…kalt!

Man ahnt die Kälte, oder?

In rosa erkennt man sie wenigstens von weitem

Der Trail war gerade morgens sehr vereist, und wir vermissten unsere Mikrospikes das ein- oder andere mal.
Neuschnee, zum Glück schon mit Spur zum folgen

Die Landschaft war weiterhin beeindruckend. Nicht mehr so schroff wie die Highsierras, aber immer noch majestätisch und atemberaubend schön.


Walking in a winterwonderland

Er/Sie genießt die letzten wärmenden Sonnenstrahlen

Weiterhin gab es viele Anstiege zu erklimmen, aber es ging nicht mehr über 10000 Fuß hinaus. In der zweiten Hälfte sah man dann immer wieder in der Ferne den schönen Lake Tahoe, einen See der ungefähr die Größe des Bodensees hat.

In der Ferne sieht man den Lake Tahoe 

Heute, am 26.9.2017 gegen 14 Uhr war es dann soweit: wir kamen am Highway 40, am Donner Pass an. Endlich Geschafft! 
Vorher mussten wir mehrere Meilen über einen Grat wandern, was mit Abstand das windigste Stück auf dem PCT war. Wir liefen quasi nur im 30 Grad Winkel.
Man erkennt wie Irene kämpft

Die letzten Tage waren eine Gefühlsachterbahn für uns. Einerseits freuen wir uns sehr auf zu Hause, unsere Familien, Freunde und unseren Hund. Die eigene Couch uns das Nichtstun. Andererseits war es schon merkwürdig, zu wissen dass es jetzt das letzte mal Frühstück, Abendessen, Zelt aufbauen sein wird. Die Zeit in den USA ging so schnell vorbei, kaum zu glauben dass es fast ein halbes Jahr her ist, seit wir in Campo gestartet sind. Wir werden soviel vermissen, und sind gespannt wie schwer oder leicht uns der Wiedereinstieg ins „normale“ Leben fallen wird.
Jetzt sind wir erstmal wieder in Truckee, wo wir mittlerweile schon zum dritten Mal durchkommen. Dieses mal bleiben wir eine Nacht bei Nancy, einem unglaublichen Trailangel. Ein Auszug aus dem vorherigen Schriftverkehr gefällig (wohlgemerkt: Sie kennt uns nicht!)? 

Irene: „Hallo Nancy, können wir am 26. für eine Nacht bei dir bleiben? “

Nancy: „Aber klar. Ich bin noch länger arbeiten, aber die Hintertür des Hauses ist offen. Macht es euch bequem, ihr könnt duschen und schon mal Wäsche waschen. Der Hund ist lieb und tut nichts.“

Unglaublich, oder? Letztendlich hat sie uns dann sogar am Trailhead abgeholt. Auch solche Begegnungen werden wir vermissen!

Nancy, Irene und Ziggy

Morgen geht es mit dem Bus nach Sacramento, und von da zwei Tage später mit dem Flieger nach Seattle. Am Sonntag landen wir wieder in München. 

Zuhause erwartet uns erstmal das Wiedereinzugschaos, ein komplett leeres Bankkonto und (zumindest Stephan) die Arbeitslosigkeit. Bereuen wir irgendetwas? NEIN! Definitiv nicht! Würden wir es wieder machen? Definitiv JA!

Seit einigen Jahren hat Stephan bei Facebook ein John Muir Zitat stehen. Ob dieser damit recht hatte werden wir wohl erst später erfahren. Jedenfalls war das das tollste, aufregendste und erfahrungsreichste halbe Jahr unserer bisherigen Leben.

„Wandere einen ganzen Sommer, wenn du kannst. Die Zeit wird dir nicht abgezogen. Anstatt dein Leben zu verkürzen wird sie es definitiv verlängern und dich wahrlich unsterblich machen.“

Danke an alle Unterstützer zuhause und hier in Staaten. Und natürlich an alle Blogleser, dass ihr unser Geschreibsel immer wieder gelesen habt. Dies ist der letzte On-Trail Eintrag. Wenn wir wieder Zuhause sind, werden wir aber noch den ein oder anderen Material-Review schreiben. 

Macht es gut,

Irene und Stephan

8.4. In Campo

26.8. an der kanadischen Grenze

26.9. am Ende der Reise in Truckee

18 Gedanken zu „Die letzte Etappe &8220;

  1. Alles richtig gemacht-das wird euch nie genommen werden!
    Gute Heimreise und einen hoffentlich guten Start zurück ins alte Leben, das dennoch nie wieder wie vorher sein wird.
    Wir sehen uns am 21!

  2. Hi ihr 2 glücklichen 😊…..ja so schnell vergeht ein halbes Jahr . Stephan das Zitat ist treffend ….denn ihr habt nichts verkürzt ,ihr habt es genau richtig gemacht . Ihr habt das gelebt was ihr euch erträumt habt . Wir freuen uns auf euch . Und vorallendingen freut sich Johnny auf euch 🙌

  3. Kommt gut nach Hause ihr Beiden ich freue mich euch auf der Mitgliederversammlung unseres DSN persönlich kennenzulernen bis dann🐶😘

  4. Da ist man fast ein wenig sentimental, wenn man euren Abschied an das Abenteuer liest. Ihr seid wahnsinnig mutige Leute und dafür werdet ihr sicherlich belohnt werden. Mit tollen Erfahrungen und schönen Erinnerungen. Ich wünsche euch eine gute Heimreise, dass der Abschied nicht so schwer fällt und ein herzliches Willkommen zurück in der Heimat.

  5. ihr seid wirklich unglaublich….
    so ein tolles Abenteuer, das kann euch keiner nehmen und ihr könnt richtig stolz auf euch sein 😉
    wir freuen uns schon auf euch…. bis bald 😉 lg

    1. Hallo Evelin,
      dir auch ein Danke für deine aufbauenden Kommentare über die ganze Reise. Umso weniger habe ich dann allerdings verstanden, dass du mich bei FB neulich geblockt hast…
      Dir weiterhin alles Gute,
      Stephan

  6. Hi ihr zwei ick Freu mir wie Bolle dat ihr dat geschafft habt 😉 ich muß sagen ihr zwei seit Hart im Nehmen und ihr könnt Stolz auf euch sein ihr habt gebuckelt bis die Schwarte Knackt 🙂 und habt es geschafft und das was ihr da gesehen und erlebt habt nimmt euch keiner mehr.;) Gute Heimreise und bis dem Nächst auf der MV.Gr.Rainer 😉

  7. Hallo Irene und Stephan. Ich habe gerade euren letzten PCT-Bericht gelesen und die letzten Bilder angeschaut und die Tränen kamen auch in meinen Augen.
    Es war sehr schön und spannend für mich, euch hier auf eurer Wanderung zu begleiten. Danke!
    Herzlichen Glückwunsch. :):)
    Ich wünsche euch eine gute Heimreise und alles Gute für die Zukunft
    Liebe Grüße Beate ( Mutti von Flower )

  8. Es freut mich sehr für euch, dass ihr es nun geschafft habt und gesund angekommen seid. Das ist eine tolle Leistung. Nochmals herzlichen Dank, dass ihr uns daran habt teilnehmen lassen mit euren tollen Berichten und den vielen wunderschönen Fotos. Nun wünsche ich euch einen guten Heimflug und einen guten Start ins „normale Leben“. Schade, das ich es nicht sehen kann, wenn eure Fellnase euch nach so langer Zeit wieder trifft.

  9. Ihr habt meine vollste Bewunderung! An diese besondere Zeit werdet Ihr Euch immer mit Stolz und positiven Gedanken und Gefühlen erinnern. Dann wünsche ich Euch noch ein paar schöne Zero-Tage, lasst es Euch gut gehen und lasst Euch am Sonntag in der Heimat nett willkommen heißen. Wir hören voneinander und sehen uns ja auch bald!!! Ich freue mich!

    Liebe Grüße

  10. Herzlichen Glückwunsch Ihnen / Euch beiden. Ich bin zwar erst spät in die Beobachtung Eurer Tour eingestiegen, habe Eure Berichte aber immer intensiv verfolgt und verschlungen.
    Die ganzen Erlebnisse am und um den Trail herum kann Ihnen keiner nehmen.
    Leben Sie sich gut wieder zu Hause ein und genießen Sie es.
    Wer weiß, vielleicht gibt es ja noch mehr Herausforderungen. Nehmen Sie sie an.
    Stephan, Ihnen viel Erfolg bei der Jobsuche. Ich hoffe, es klappt.
    Die Leistung ist toll.

  11. Ihr Lieben! Danke für den letzten Blog. Einen schönen Abschluß und eine gute und sichere Heimreise! Ich freue mich schon sehr auf den Sonntag. Ganz viele ganz liebe Grüße! Mama

  12. WOW WOW WOW WOW!!
    Allerherzlichste Glückwünsche an euch!!
    Euer Blog wird mir fehlen 🙁
    Ein gutes Ankommen, Wiedersehen,Akklimatisieren,Wiedereinleben…
    Irene einen guten Start in der KJP und Stephan alles gute für dich u ich bin sehr gespannt wo es dich hinverschlägt!
    Liebe Grüße Sandra

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