San Francisco  (Offtrail)

Vom megaheißen Las Vegas führte uns unser Wanderpausen-Trip über den kleinen Küstenort Seaside nach San Francisco. 

Viele kennen die viertgrößte Stadt Kaliforniens aus Dokus über die Hippiezeit, den Summer of Love (der dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum feiert), als Standort vieler Hightech- und Internetfirmen im nahen Silicon-Valley oder die älteren unter uns aus der bekannten Serie mit Michael Douglas. 

Wir gaben den Mietwagen am Flughafen ab, fuhren mit der Bahn in die City und begaben uns auf die Suche nach unserem Hotel. Dieses lag ziemlich zentral in Downtown, hatte Hostelcharakter mit Gemeinschaftsbad und war für Frisco-Verhältnisse recht günstig aber sauber. Dass es in einer Ecke lag, in der man abends besser nicht vor die Tür geht, stellten wie erst nach Einbruch der Dämmerung fest…

Eine typische Straße der Stadt

Noch am Ankunftstag machten wir uns zu Fuß auf, die Stadt zu erkunden. Das Gute an San Francisco ist, dass diese recht europäische Stadt nicht so groß ist, und eigentlich alle Sehenswürdigkeiten gut per Pedes erreichbar sind. Vor allem wenn man schon etwas Trailbeine hat wie wir, denn die Stadt ist sehr bergig, wie jeder weiß. Manche Straßen sind so steil, dass wir uns unsere Trekkingstöcke gewünscht hätten.

Hier erkennt man gut die Schräge der Straße. Bremsen- und Kupplungshersteller verdienen vermutlich ein Vermögen an San Francisco

Als erstes gingen wir durch Chinatown Richtung Fischermans Wharf,  dem Viertel bei den Piers. Dort kann man sich den Bauch mit allerlei Leckereien vollschlagen, diverse maritime Museen anschauen, Bootstouren nach Alcatraz machen oder den berühmten Seelöwen am Pier 39 beim Sonnenbaden zusehen.

Die totale Entspannung
Viele hundert, meist männliche Seelöwen sind täglich hier.

Diese sind seit ca. 1990 dort heimisch, völlig freiwillig und undressiert. Mehrere hundert liegen dort auf den Anlegern, dösen in Sonne, streiten sich manchmal um den besten Platz und lassen sich von den Blicken der Touristen nicht im Geringsten stören. 

Chinatown war auch spannend.  San Francisco hat eines der größten Asiatenviertel der Welt. Man läuft nichtsahnend einen Block entlang, und plötzlich ist alles mit asiatischen Zeichen beschriftet, und man als großer Europäer der Exot unter vielen kleinen Chinesen. 

Nicht jedes Geschäft in Chinatown ist so vorbildlich wie der Kikimarkt und beschriftet bilingual.

Die Geschäfte haben ihre Gemüse- oder Fleischauslagen auf den Gehweg geschoben und exotische Gerüche und Klänge dringen aus allen Ecken.

Chinatown – eine fremde Welt

Überhaupt ist San Francisco sehr international. Es gibt neben Chinatown noch ein Japantown, ein italienisches und ein französisches Viertel, und auch einige Deutsche. 

Ich habe es nicht überprüft, aber der Inhaber ist sicher Deutscher 😉

Wie in vielen Städten gibt es auch hier sogenannte „Hop on, hop off“-Busse. Man kauft ein Pauschalticket und kann dann eine bestimmte Zeit diese Busse auf verschiedenen Linien nutzen um die Stadt zu erkunden. In der Regel erzählt ein Guide auch etwas zu den Sehenswürdigkeiten und der Stadt. Wir kauften also unsere Tickets und starteten die erst Fahrt, direkt zur Golden Gate Bridge, die vermutlich bekannteste Brücke der Welt und Wahrzeichen der Stadt. Wir hatten scheinbar Glück mit dem Wetter, denn trotz kaltem Wind und Wolken konnte man weit blicken und es war nicht nebelig. Die Brücke hüllt sich nämlich anscheinend gerne mal in Wolken.

Die Golden Gate Bridge heißt so, weil die Bucht zu Zeiten des Goldrausches das Einfallstor für die Glücksritter war

Am nördlichen Ende fuhr der Bus einen Aussichtspunkt an, bei dem man einen guten Blick auf die Stadt, die Bucht und die Brücke hatte. Leider sprang der Bus nicht mehr an und wir mussten ziemlich lang auf den Ersatz warten. Ziemlich verfroren waren wir dann eine Stunde später wieder am Union Square, dem zentralen Ausgangspunkt der Bustouren. Auch wenn unser Fahrer sehr schnell und kaum verständlich nuschelte, hatten wir einen ersten Eindruck über die Stadt gewonnen. 

Das berühmte ehemalige Gefängnis Alcatraz – The Rock.

Architektonisch teils sehr interessante Häusernzeilen,  gebaut nach dem großen Erdbeben von 1906 im viktorianischen Stil, dazwischen immer wieder zeitgeschichtliche Orte, wie z.B. das Haus von Jimi Hendrix oder bekannte Fassaden aus Serien und Filmen. 

Es gibt noch ca. 15000 solche alten Häuser in der Stadt 

Am nächsten Tag nutzen wir nochmal den Bus. Dummerweise erwischten wir wieder den gleichen, nuschelten Fahrer, der lieber private Geschichten erzählte als Infos zur Stadt…. Ist ja auch wichtiger zu wissen, dass Trump von den Russen gekauft wurde.  Wir liefen aber auch sehr viel mir Karte in der Hand zu Fuß. Dabei sieht man dann auch „normale“, nicht-touristische Ecken der Stadt, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt. Aber auch alle anderen bekannten Punkte erreicht man schnell. Z.B. die Lombardstreet, die weltbekannte Serpentinenstraße. Dort fährt eine nicht enden wollende Blechlawine im Schritttempo den Berg hinab.

Lombardstreet – wohnen möchte ich dort nicht. Die Touristenströme reissen nie ab.

Die Cablecars, eine Straßenbahn die Touristen über die Hügel der Stadt bringt, haben wir nur von Außen bestaunt. Zu lange waren uns die Warteschlangen an den Haltestellen.

Die Cablecars prägen das Stadtbild und helfen den Bürgern über die steilen Hügel

Und auch die maritimen Museen im Hafen haben wir uns geschenkt. Dort liegen u.a. ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg und das letzte (noch fahrbereite!) Versorgungsschiff das am D-Day teilgenommen hat. Wäre beides sicher interessant gewesen, aber jeweils 20 $ Eintritt wollten wir dann nicht ausgeben. 

Dieses Schiff hat vor 73 Jahren an der Landung in der Normandie teilgenommen

Überhaupt ist San Francisco eine sehr teure Stadt. Ein Abendessen kostet schnell 30 $, Eintritte zu Museen und Touren mit Boot nach Alcatraz waren einfach zu teuer für unser Wanderbudget. Dafür hat Stephan im Icebreakerladen endlich genau die Wandersocken gefunden, die er seit Wochen suchte. Und auch ein Essen in der „Bubba Gump Shrimp Company“ gönnten wir uns. Das ist eine Kette, die aus dem Film „Forrest Gump“ heraus entstand. Und da das einer meiner Lieblingsfilme ist, mussten wir da mal rein.
Die Stadt ist sehr liberal. In den 50-ern war der letzte republikanische Bürgermeister im Amt. Sie gilt als die Hochburg der Schwulenbewegung und beherbergt immer noch einige Althippies. 

Die Stadt ist sehr bunt

Die touristischen Punkte sind erfüllt mit Leben: Straßenkünstler, Musiker, Trommelgruppen oder Tanzacts sind an jeder Ecke zu bestaunen. Aber genauso wie man nicht jedem kippenschnorrenden Obdachlosen helfen kann (eine Schachtel Marlboro kostet bis zu 13 $!!!), kann man nicht jedem der teils wirklich tollen Musiker etwas geben. Trotzdem dürften die meisten bei all den Touristenströmen ein gutes Auskommen haben. 
Wie in allen amerikanischen Großstädten liegen großer Reichtum und bittere Armut oft nur ein, zwei Häuserblöcke auseinander. Die Mieten sind in den besseren Vierteln astronomisch hoch (mehrere tausend Dollar für ein kleines Appartement), einige Blöcke weiter leben die meist farbigen Obdachlosen auf der Straße. Viele scheinen unbehandelt psychisch krank zu sein, körperliche Gebrechen sind weit verbreitet und Alkohol und Drogen sind bei den Meisten ein großes Problem. Man lernt schnell zu schätzen was es heißt, im „Wohlfahrtsstaat“ Deutschland zu leben, wo quasi JEDER versichert ist und jede notwendige medizinische und soziale Hilfe bekommt. Auch wenn in unserem System vieles falsch läuft und auch dort immer wieder Einzelne durch die Maschen des sozialen Netzes fallen, so bin ich doch heilfroh dass wir in diesem unseren Staat leben dürfen! 

Das Klima in der Region ist durch das Meer kühler, auch im Sommer bleibt es erträglich und die Winter sind mild. Es weht oft ein kühler Pazifikwind durch die Straßen der Stadt, die natürlich auch eine Skyline hat. Gerade im Finanzdistrikt stehen einige tolle Hochhäuser und weitere werden gerade gebaut. 

Ein fast fertiges Hochhaus – mit atemberaubenden Kran

Nach zwei erlebnisreichen Tagen geht es heute mit dem Greyhoundbus weiter Richtung Reno, Nevada. 

Irene am Greyhound-Terminal mit ihrer Hiker-Handtasche

Die Stadt liegt nicht weit vom PCT entfernt, wo wir dann in ein paar Tagen wieder zum Wandererleben wechseln werden. Und das wird nicht angenehm: durch zusätzliche Ausrüstung, wie Eisaxt (ihr glaubt nicht wie doof die Leute schauen, wenn man mir einer Eisaxt am Rucksack durch die Großstadt läuft!), Mikrospikes, Bärenkanister und extra Kleidung, sind Volumen und vor allem Gewicht der Rucksäcke wirklich am Limit. Zum Glück müssen wir jetzt nur noch wenig Wasser tragen. 
Wir halten euch auf dem Laufenden, wie es weitergeht! 

P.S.: den Laden hier fand ich so witzig!

Mäntelchen für verwöhnte Haustiere – die Amis sind oft erfrischend ehrlich

7 Gedanken zu „San Francisco  (Offtrail)&8220;

  1. Ich liebe diese Berichte und hatte schon die Idee mit den herrliche Bildern ein kleines Buch draußen machen zu lassen, ich würde es sofort kaufen !Danke ihr Lieben ❤

  2. wieder ein toller bericht, man ist immer mitten drin… danke dafür 😉
    weiterhin viel spass und passt auf euch auf <3 lg

  3. Sehr Spannend ich glaube ich hätte gar nicht gewust wo ich zu erst hin schauen muß in Frisco die Kinnlade nur unter vor Staunen.Aber schon Toll was ihr so erlebt und uns Mitteilt danke dafür.Bis Später und Passt auf euch auf.Gr.Rainer. 😉

  4. Hallo ihr beiden! Durch eure Inspiration habe ich mich letzten Donnerstag für drei Tage in den Bregenzerwald (Vorarlberg) begeben, um mehrere Tage lang aktiv zu wandern und diverse Höhenmeter (u.a.im Schnee bis auf 2200 m) zurückzulegen ! Obwohl ich nicht ansatzweise auf euer durchschnittliches Tagespensum gekommen bin, brennen mir heute noch die Oberschenkel und Waden! :-)) Es ist und bleibt einfach großartig, was ihr da leistet !!! Weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei eurem Projekt PCT 2017, Marc

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