Truckee nach Quincy

Nach zwei Wochen Wanderpause ging es für uns zurück auf den PCT. Unsere Hoffnung, dass sich in diesen 14 Tage die Situation in der High Sierra so verändert hat, dass wir nahtlos und vor allem gefahrlos doch dort weitermachen könnten, hatte sich leider zerschlagen. Nach wie vor liegt dort viel Schnee, der Trail ist wohl in weiten Teilen nur mit GPS zu lokalisieren und nicht zu sehen. Es handelt sich um eine Bergkette, die mit teilweise 4000 Höhenmetern für „wir versuchen es“ einfach zu hoch ist – es ist ein Hochgebirge! (Zum Vergleich: Die Zugspitze ist knapp 3000 m hoch!). Nur mit Erfahrung im Schnee- und Hochgebirgswandern sollte man sich derzeit in die High Sierra wagen. Also lassen wir es lieber sein und überspringen diesen Teil des PCT vorerst. Wir steigen einige hundert Meilen weiter bei der Kleinstadt Truckee wieder ein. Dort ist ebenfalls noch viel Schnee, aber die Berge sind „nur“ 2400 m hoch. Von Reno aus fuhren wir mit dem Greyhound nach Truckee und übernachteten dort auf einem Zeltplatz ausserhalb der Stadt – zu unserem Glück hatte der Zeltplatz am Vortag für die Saison eröffnet. Da es hier Schwarzbären gibt, mussten wir unsere Rucksäcke bärensicher verstauen, hierfür steht für jeden Camper ein Metallschrank zur Verfügung. 

Am nächsten Morgen gönnten wir uns an der Tankstelle um die Ecke noch einen mehr oder weniger guten Kaffee und einen Donut. Wir hatten richtig Glück beim Trampen und wurden die wenigen Meilen bis zum Trail direkt von der Tanke aus von einem netten Mann mitgenommen, der unterwegs zum Klettern war. Wir staunten nicht schlecht, als er uns ca. 8 Meilen weiter am Trail rausließ – alles voller Schnee! 

Wer hier wohl am Beginn des Schnees seine Sandalen zurückgelassen hatte?

Tapfer gingen wir los und folgten dem Weg, allerdings nur wenige Minuten, dann war er nicht mehr zu erkennen. Hoher Schnee und Schneeverwehungen überall – aber dank GPS fanden wir unseren Weg und liefen weiter. Natürlich kamen wir im Schnee längst nicht so zügig voran wie sonst, und der Schnee war auch ziemlich matschig, jeder Schritt musste sitzen, denn sonst saßen wir auf dem Hosenboden. Und es ist echt ärgerlich wenn man eigentlich rauf müsste, aber runterrutscht und sich dann wieder hochkämpfen muss…

Auf dem Bild sieht man gut eines der Hauptprobleme: Verwehungen und Schneehaufen lassen einen jeden Höhenmetern zweimal laufen.

Gegen Mittag kamen wir zur ‚Peter Grubb Cabin‘, einer Hütte zum Übernachten für Skifahrer und Hiker. Das kleine Haus steht jedermann offen, hat einen Ofen und bietet Schutz. Wir machten dort Mittagspause und staunten über das bis zum Dach eingeschneite Haus – das über eine Leiter zum Dach trotz Schneemassen gut begehbar war. 

Die Peter Grubb Cabin, Zugang nur über den ersten Stock

Danach machten wir uns wieder auf und kämpften uns mit GPS weiter durch den Schnee.

Nebel und schlechte Sicht machten die Navigation nicht leichter

Der wolkenverhangene Himmel verhieß nichts gutes, und da das Laufen im tiefen Schnee sehr anstrengend war, schlugen wir bereits am frühen Nachmittag unser Lager auf – zum ersten Mal Zelten auf Schnee! 

Zwiebelprinzip, dann geht das auch bei solchem Wetter

Wir kochten uns unser Abendessen gegen 15 Uhr und freuten uns, einen ebenen Platz fürs Zelt gefunden zu haben. Eine halbe Stunde später fing es an zu regnen – also ab ins Zelt! Schon nach kurzer Zeit schliefen wir erschöpft ein. Die Nacht war kalt und feucht. Auf Schnee schlafen wird nicht unser Ding…
Zum Start in den neuen Tag trugen wir noch die Regenhosen, die sich aber schon auflösen (Billigteile).
Die Sonne strahlte am blauen Himmel, und auf dem harten Schnee der Morgenstunden ging es einiges zügiger voran als noch am vorherigen Nachmittag. Nicht umsonst gehen viele Hiker schon nachts los und hören mittags auf. Leider sind wir so gar keine Morgenmenschen…. 😉
Der Trail war weiterhin nicht zu sehen, so dass wir mit GPS, Kartenapp und Kompass unseren Weg suchten. „Unnütze“ Schleifen oder Serpentinen, die man ohne Schnee nicht abkürzen sollte, konnten wir so etwas „begradigen“ und etwas Zeit sparen.
Wir kamen an zwei Flüssen vorbei, beidemale zum Glück ohne nasse Füße zu bekommen. Den einen überspannten noch einige Schneebrücken,

Bei Schneebrücken muss man immer gut abwägen, ob sie noch stark genug sind um einen zu tragen. Als der Schwerere muss Stephan immer zuerst ran.

der andere hatte ein Hölzbrückchen. In ein paar Wochen wird das nicht mehr so einfach gehen.
Man denkt, dass die Wasserversorgung hier eigentlich kein Problem sein sollte. Allerdings sind Quellen meist zugeschneit und kaum auffindbar, und an das Wasser der Flüsse kommt man oft gar nicht so einfach heran, da das Ufer meist noch von meterhohen Schneewänden gesäumt wird.

Da kommt man nicht einfach heran

So füllten wir mehrfach unsere große Flasche mit Schnee und warteten bis es geschmolzen war.

Hier kam man mal gut an das Wasser

Gegen 10 Uhr wurde der Schnee langsam weicher, vor allem an Süd- oder Sonnenseiten. Trotz Eisaxt machte Stephan dann auch eine unfreiwillige Rutschpartie über ein paar Meter.

Ohne Worte

Am Nachmittag kamen endlich wieder schneefreie Stellen. Auch wenn diese nur über hundert Meter gingen, so genossen wir das „normale“ Wandern doch sehr. 

Gipfel und Südhänge sind meist schon schneefrei

Auf dem Schnee läuft es sich einfach viel langsamer und anstrengender. Auf einem Kamm hatten wir dann auch eine tolle Aussicht rund herum. Vor allem sah man in der Ferne auch viele Berge, die augenscheinlich weniger Schnee hatten.

Tolle Fernsicht gab es immer wieder

Der letzte große Berg war dann auch bald geschafft, danach sind in Nordkalifornien nur noch niedrigere auf dem Trail. Wir hoffen, dass sich dann auch unser Tagespensum erhöhen wird. 10 Meilen sind einfach zu wenig auf Dauer.
Am Nachmittag kamen wir über einen Kamm, von dem wir uns südseits einen schneefreien Zeltplatz erhofften. Und was sagt man: wir hatten Glück und fanden neben einem schmelzenden Schneefeld einen kleinen Spot.

Ein guter Platz zum Zelten

Wir mussten noch mit der Eisaxt eine kleinen Drainagengraben um das Zelt ziehen, sonst wäre es wieder nass geworden. Endlich konnten Zelt und Schlafsäcke von der letzten Nacht trocknen. Das Futter hingen wir nach unserem Abendessen halbwegs bärensicher in einen Baum und gingen noch vor Sonnenuntergang in unser Mobilhome.

Halbwegs bärensicher – ohne Bärenkanister ein Muss im Bärenland

Am folgenden morgen erwartete uns weiter Schnee en masse. Jedoch begann nach einem kurzen Aufstieg dann der lang ersehnte Abstieg nach Sierra City, wo wir übernachten und Vorräte aufstocken mussten.
Mit jedem Höhenmetern den es tiefer ging, nahmen die Schneefelder ab und die Temperatur zu. 

Kurze Pause mit Snack und Trinken

Wir gingen durch duftende Nadelholzwälder und über tosende Bergbächlein. Mit jeder Meile nahmen die üblichen Schmerzen, aber auch die Motivation zu. Die Aussicht auf etwas richtiges zu Essen und einen Kaffee treibt an!
Die letzten Meilen mussten wir wieder trampen, aber auch dieses mal ging das problemlos, und Irenes Wunsch wurde erfüllt: auf einem dicken Pick-Up-Truck auf der Ladefläche zu fahren.
Sierra City ist ein kleines verschlafenes ehemaliges Goldgräberstädtchen. Ausser  einem kleinen Laden, einer Gaststätte und ein paar Schlafmöglichkeiten gibt es nicht viel. Die Methodisten lassen Hiker neben ihrer Kirche auf Spendenbasis zelten, und daneben ist ein öffentliches WC (mit Steckdose zum Handyladen). 

WC und Strom. Was braucht der Thruhiker mehr?

Also bauten wir dort unser Zelt auf und investierten das gesparte Geld lieber in ein Abendessen.
Nach einer eher unruhigen Nacht – ein tosender Bach lief neben der Kirche – gönnten wir uns noch ein gutes Frühstück, kauften im Store das nötigste ein und trampten zurück zum PCT.
Die ersten Stunden ging es nur bergauf, allerdings eine Art von Steigung die man noch gut und zügig schafft.

Ein sichtbarer Trail – seltenes Bild

Zwei kleinere Klapperschlangen erschrecken uns mal wieder,  nach den Tagen im Schnee waren wir einfach nicht mehr darauf vorbereitet.

So klein und schon so wütend

Ab ca. 2000 m begannen dann auch wieder die Schneefelder, was das Vorankommen ziemlich bremste.
Am frühen Abend fanden wir zum Glück auf einem Parkplatz in den Bergen einen kleinen schneefreien Fleck für unser Zelt.

Der Wind hatte nachts zum Glück nachgelassen, so dass wir nach einer ruhigen Nacht früh ausgeruht aufbrechen konnten – und der Tag führte uns wieder fast komplett durch Schnee.

Auf Schnee laufen ist sehr anstrengend

Der Trail ließ sich nur erahnen und wir suchten uns anhand GPS unseren Weg. Nur ab und zu, und dann nur kurz zeigte er sich. Unser Weg führte die im Schnee noch versinkenden Hänge entlang, es ging kaum nach unten. 

Abstieg am Hang – rutschig und tricky

Vorteil: wo Schnee ist, ist auch Wasser, und es war meist angenehm warm. 
Leider kamen wir aber wieder nur sehr langsam voran, so dass wir gerade mal 11 Meilen schafften. Am frühen Abend fanden wir glücklicherweise wieder ein schneefreien ebenes Fleckchen – auf einer „dirt road“, einer unbefestigten Straße. Wir bauten unser Zelt auf, kochten unser übliches Abendessen – zur Sicherheit wegen Bären natürlich weit abseits vom Zelt – und todmüde fielen wir schon früh in die Schlafsäcke.

Die Nachmittagssonne störte uns beim Einschlafen

Morgens stand dann ein kleiner weiterer Anstieg umd danach ein langer Abstieg an – wir hofften, dass beim Abstieg endlich der Schnee verschwinden würde und wir mehrere Meilen normal laufen könnten, ohne ständig im Schnee klettern zu müssen. Leider blieb es bei dem Wunsch. Wir mussten den Abstieg, der sehr steil war, komplett auf Schnee und ohne Weg bewältigen. So kletterten wir u.a  einen langen Steilhang hinab und waren sehr froh, als dieser überstanden war.

Der Hang war hart. Er hatte mindestens 35-40 Grad Steigung und der Schnee war schon sehr weich und rutschig

Beim Überqueren einiger Bäche holte sich Irene mehrfach nasse Füße. Am frühen Nachmittag sahen wir dann plötzlich endlich unseren ersten Bären – er tapste gemütlich in ca. 150 m Entfernung über eine Lichtung und verschwand im Wald. Der erste Bär! Ein faszinierendes Erlebnis, in freier Natur! 

Da wir die Kamera nicht schnell genug zur Hand hatten – hier ein Phantombild für euch

Abends stellten wir fest, dass wir zu wenig zu essen hatten – das ist uns auch noch nie passiert – um die Etappe bis Quincy fertig zu laufen, es würde nur noch für einen weiteren Tag reichen. Zum Glück gab es nur wenige Meilen entfernt einen Highway, den wir am nächsten Morgen ansteuerten um von dort aus zu trampen. Dort angekommen malten wir uns schon aus was wir in der Stadt essen würden und in welcher Reihenfolge. Leider stellten wir dann fest, dass der Highway wegen Schnee noch gesperrt war und wir die 20 Meilen wohl würden laufen müssen. 20 Meilen Strasse … Zum Glück nahm uns nach knapp 10 Meilen ein Pickup mit – wir fuhren auf der Ladefläche mit einem Quad drauf – sehr eng aber spannend!!! 
So waren wir dann doch am Nachmittag schon in der Stadt Quincy und nach einem Kaffee und Sub beim Subway suchten wir uns ein Zimmer für 2 Tage. Nach der letzten Woche sind wir ziemlich geschlaucht und müssen vor allem unsere Klamotten waschen und Essen nachkaufen. Mit Wandern hatten die letzten Tage wenig zu tun, das war eher Schneeklettern. Kalifornien im Juni!

11 Gedanken zu „Truckee nach Quincy&8220;

  1. Wow, alle Achtung für dieses Abenteuer. Ihr nehmt dafür ja ganz ordentliche Strapazen auf euch.Passt weiterhin gut auf euch auf. Allzeit gutes Ankommen bei jedem Etappenziel.

  2. ihr seid echt der hammer 😉
    wie alle anderen war ich auch in gedanken mit euch unterwegs,
    weiterhin viel spass und glück,
    passt auf euch auf 😉 lg

  3. Das war wieder sehr beeindruckend zu lesen. Unsereins hier im gemütlichen Zuhause kann sich nicht mal ansatzweise vorstellen, was ihr da leistet! Respekt! Diese Reise wird euch sicherlich sehr prägen.
    Kommt gut weiter voran und bleibt vor allem gesund.

  4. Schön wieder von Euch zu hören!
    Bleibt weiter so vernünftig, auch ohne übermütig sein zu müssen, erlebt Ihr die tollsten Abenteuer.
    Weiterhin viel Spaß! Freu mich auf den nächsten Bericht.
    Liebe Grüße

  5. Ihr Lieben, Eure Tour wird ja immer aufregender! Bleibt nur immer schön vorsichtig;damit Ihr heil wieder nach Hause kommt! Ich freue mich immer auf Eure Berichte und die wunderschönen Fotos. Passt gut auf Euch auf und macht wieder eine Pause, wenn es wieder zu anstrengend wird! Ganz liebe Grüße ! Mama

  6. Ihr Lieben hatte heute zeit mal euren Block zu Lesen wie ich lesen kann habt ihr noch Spaß und Abenteuer sollen ja so sein passt weiter auf euch auf das mit denn Schlangen finde ich immer sehr Prickelnd und das Phantom Bild ist der Kracher Toller Bär Muuaaaaa 🙂 🙂 bis Später mal.Gr Rainer.

  7. Hi, Ihr Beiden!
    Ihr seid wirklich hart im Nehmen!! Hoffentlich wird die Route bald wieder etwas angenehmer. Vielleicht hättet Ihr noch Klapp-Ski in den Rucksack stecken sollen⛷. Ich wünsche Euch weiterhin Ausdauer und Freude bei Eurer Tour! Ich werde weiter dabei sein!
    Liebe Grüße aus Köln von der dauergewellten P…….

    P.S. Euer Haus in Bergisch Gladbach steht noch, bin gestern vorbeigefahren und habe an Euch gedacht.

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