Von Ashland bis Sisters

Nach einem erholsamen Zerotag verließen wir die beschauliche Kleinstadt Ashland am Vormittag wieder. Nach einer etwas nervigen Wartezeit an der Auffahrt zum Highway nahm uns ein netter Mann endlich mit – er hatte uns schon am Vortag angesprochen, als wir gerade unsere Pakete zum UPS-Store brachten. 2016 war er selbst den PCT komplett gewandert. Für 2018 plant er den Continental Divide Trail – der ist noch länger als der PCT und auch noch anspruchsvoller. Nach kurzer Fahrt zum Trail starteten wir am frühen Mittag und natürlich ging es erstmal bergauf. Aber das kennen wir ja schon, die Städte liegen meist im Tal oder am Fuß eines Berges. Das Wetter war warm, aber dank Oregons Wäldern konnten wir die meiste Zeit im Schatten gehen. Unser Fahrer hatte uns noch als Tipp mitgegeben, dass ca. nach 15 Meilen ein Restaurant nicht weit vom Trail sei – da wir aber mittags erst gestartet waren, und gut erholt nach einem Zerotag, gingen wir diesen Umweg nicht. Wir liefen Meile um Meile, bis wir abends, es war schon fast 20 Uhr, direkt an einem kleinen See, unser Zelt aufschlugen. Nach der Abendroutine fielen wir müde in die Schlafsäcke, trotz des späten Starts hatten wir 23,5 Trailmeilen geschafft! 

Am zweiten Tag ging es weiter nach Oregon hinein, die Landschaft unterscheidet sich schon jetzt von der Kaliforniens. Die Berge wirken sanfter, die Wälder grüner – und es gibt sogar Wiesen! 

Wildblumen in allen Farben blühen gerade

Dafür leider aber auch Heerscharen von Moskitos… Wir durchwanderten ein Gebiet, das wenig Zugang zu Wasser bietet, deshalb mussten wir gut planen und leider auch wieder mal mehr Wasser tragen. Unterwegs trafen wir einige Dayhiker, und auch wieder einen Hund. Am frühen Abend erreichten wir ein Shelter, also eine Holzhütte, in der Hiker übernachten können. Dort gab es sogar einen Tisch! Und auch ein Trailregister. Es war erst die 3. Hütte, die wir seit Beginn des Trails gesehen haben. Leider gab es dort kein Wasser, die Pumpe war defekt. Nach einer kurzen Pause und einem Snack am Tisch gingen wir weiter. Obwohl wir tagsüber zwischendurch richtig müde waren, schafften wir an diesem Tag 26 Meilen. Die letzten Meilen ging es über Vulkangestein, es sah aus als hätten Riesen Riesenkies ausgekippt.

Der Trail wurde hier mit rotem Vulkangestein angelegt

Am angepeilten Zeltplatz, den wir gegen 19 Uhr erreichten, erwartete uns Salty Dog. Wir tauschten uns über die letzten Tage aus und gingen dann zügig schlafen.
Morgens – Salty Dog war wie immer bereits weg – verzichteten wir wegen Wasserknappheit ausnahmsweise auf Kaffee und Oatmeal. Das holten wir dann gegen 10 Uhr an einem Fluss nach. Bis dahin mussten wir allerdings einige Meilen noch über den sehr steinigen Trail wandern. Dieser schlängelte sich nämlich um einen erloschenen Vulkan herum, dessen Lavageröllfelder sich über alle Hänge in sanften Bögen ergossen hatten. Der Anblick war irgendwie majestätisch,  konnte man sich doch gut vorstellen, wie vor tausenden von Jahren die zähe Masse den Berg hinab floss, erstarrte und dann über lange Zeit durch Wasser und Eis zu kantigen Brocken zerbrach.

Nach der Pause ging es einen leichten Anstieg durch dichten Nadelwald hinauf, immer wieder unterbrochen durch sogenannte ‚Blow downs‘, also umgefallene Bäume. Manchmal kann man leicht darüber steigen, oft muss man aussen herum gehen.

So angenehme Blow Downs hat man leider selten

Unterwegs trafen wir auf zwei Reiter. Wirklich schneller als wir waren sie nicht. Die Blow downs hielten auch sie auf. Wir suchten nicht wirklich den Kontakt zu ihnen, denn der Mann hatte sowohl eine Flinte am Pferd als auch eine Pistole im Holster.

Macht sicher auch Spaß auf diese Art

Nach den letzten beiden langen Tagen taten uns beide ordentlich die Füße weh. Deshalb steuerten wir nach 22 Meilen einen Zeltplatz an. Waren die Moskitos tagsüber nur nervig, weiteten sie sich hier zur biblischen Plage aus. Zum ersten mal benutzten wir unsere Kopfnetze und machten auch wieder ein Feuer.

Ohne Netz in Oregon? Ohne uns!

Nach dem Essen verschwanden wir sofort im Zelt, an dessen Mesh sich danach hunderte der Blutsauger die Rüssel platt drückten.
Wir: „Ihr kommt hier nicht rein!“
Sie: „Ihr müsst morgen wieder rauskommen! “
Und natürlich behielten die Moskitos recht. Der morgen war wirklich grausam, so dass wir fast alles im Zelt einpackten und zügig ohne Frühstück und mit Kopfnetz von dannen zogen. Erst als wir etwas höher kamen und eine leichte Brise wehte, wurden die Mücken weniger. Von da an suchten wir unsere Pausenorte nach der Anzahl der Mücken aus. Zum Testen muss man nur kurz stehen bleiben, dann merkt man schnell ob man richtig lag.
Der PCT wäre an dieser Stelle eigentlich recht schön, wenn er besser im Schuss gehalten wäre. Gefühlte hundert Bäume galt es zu überqueren, was wirklich zeit- und nervenaufreibend war. Je höher wir kamen, desto öfter kamen letzte Schneeflecken, kurz vorm endgültigen verschwinden. Lediglich ein größeres Feld kam noch nach einem Gipfel. Und dieses konnte man wunderbar auf dem Hintern hinab rutschen.

Erst wollte Irene nicht so gerne, mittlerweile ist sie die erste die rutscht

Stephan durfte den Spaß sogar zweimal haben, weil er bei der ersten Rutschpartie seine Geldbörse verloren hatte. So musste er nochmal hoch steigen und mit Börse wieder runter rutschen.
Danach führte der Weg viel durch abgebrannte Gebiete. Der Boden aschig und steinig, die stehengebliebenen Stämme wie erhobene Zeigenfinger, die vor den Gefahren des Feuers warnen. Aber dazwischen tausende kleine Bäumchen, gerade mal 2-4 Jahre alt. Die Natur kommt immer zurück.

Wildfeuer gibt es nicht nur in Kalifornien

Am Abend schlugen wir nach 23 Meilen unser Lager auf einem Kamm auf. Der Wind blies alle Moskitos davon, so dass wir in Ruhe Essen und uns mit Salty Dog etwas unterhalten konnten. Der war nämlich auch wieder hier und auch der einzige Mensch den wir heute sahen.
Am Morgen stand nur noch ein kurzer 8 Meilen Hike, davon mindestens 4 auf Schnee und eine Meile auf der Straße an, bevor wir nach Mazama Village kamen. Das ist nicht wirklich ein Ort, sondern der Beginn des Crater Lake Touristenprogramms. Dort gibt es einen Souvenierladen, ein Lokal, einen Shop und einen Campingplatz. Die Autofahrer müssen hier auch den Eintritt zum Nationalpark zahlen. Crater lake ist eine Caldera, also ein zusammengefallener Vulkan, dessen See keine Zu- und Abflüsse hat und sich nur aus Regen- und Schmelzwasser speist. Das Wasser ist so klar, dass man sehr tief sehen kann. Er zählt zu den Hauptattraktionen am PCT.

Nachdem wir im Lokal angekommen waren, trafen wir auf einige Hiker, die wir zuletzt in der Wüste gesehen hatten. Wir frühstückten zusammen und tauschten uns über Erlebtes aus. Im Anschluss holten wir unser Paket im Laden ab. Da wir schneller als geplant waren und tendenziell lieber mehr Essen planen als zu wenig, hatten wir dann doch etwas viel für die nächste Etappe. Ein bisschen konnten wir an andere Hiker geben, und den Rest werden wir in den kommenden Tagen verputzen.
Während wir zusammen alle vor dem Laden saßen, kam eine Parkrangerin mit einer Karte und sagte, dass die Alternativroute am Kraterrand (die eigentlich alle Hiker gehen möchten) wegen Arbeiten an der nahen Straße zum Teil gesperrt wäre und ein weiterer Teil wegen Schnee eigentlich fast nicht passierbar wäre. Alle waren erstmal enttäuscht und überlegten, was sie anstelle dessen machen könnten. Wir ließen uns erstmal von hilfsbereiten Menschen zum Kraterrand fahren. Dort gibt es eine überteuerte Lodge und ein Lokal mit überpreisten Snacks. Wir entschieden uns für zweiteres und gingen etwas am Rand entlang um die schöne Aussicht zu genießen. Dann entschieden wir uns, wegen der Sperrung das Strassenstück zu trampen. Der Fahrer erzählte uns dann, dass er das Stück am Vortag selber gelaufen war und der Schnee überhaupt nicht schlimm gewesen sei. Nie wieder hören wir auf Ranger….

Crater Lake ist wirklich atemberaubend

Nachdem er uns ein paar Meilen weiter wieder ausgesetzt hatte, trafen wir auf dem Parkplatz auf drei Menschen, die uns interessiert über unsere Reise ausfragten.  Eine Dame sprach uns in gebrochenem Deutsch an. Sie hatte es zwei Jahre in der Schule und konnte es dafür erstaunlich gut. „Die Alpen sind mit einem Schleier aus Schnee bedeckt “ war ein Satz  den sie früher lernen musste. Als wir sagten dass wir aus Köln kommen, fuhr es laut aus ihr heraus: „Effzeh!!!“ Es stellte sich heraus, dass sie immer Bundesliga auf FOX schaut und der 1. FC Köln ihre Lieblingsmannschaft ist.

Nach dieser witzigen Begegnung mussten wir nur noch ca. drei Meilen laufen, um zur Kreuzung zu gelangen wo die Alternativroute wieder den PCT trifft. Dort trafen wir auf zwei 18-Jährige, die einige Tage vor uns an dem Zeltplatz waren, wo wir die zahme, hinkende Hirschkuh sahen. Bei ihnen war sie auch schon da, sie nannten sie „Limpy“, wegen dem Hinken. Scheint ihr Stammplatz zu sein.
So sind wir heute eigentlich nur 11-12 Meilen tatsächlich gelaufen, haben aber offiziell 26 Trailmeilen geschafft. 😉
Nebenbei hatten wir auch noch unsere persönliche Trailhalbzeit. 1325 Meilen, 2120 km sind gewandert. 
Salty Dog lief wie immer um 5:30 Uhr los, als wir gerade wach wurden. Die beiden Jungs lagen noch im Zelt als wir eine gute Stunde später abmarschierten. Die ersten Meilen waren schön gerade. Durch lichte Wälder und aschigen Boden kamen wir gut voran. Leider schien Stephan sich am Vortag einen Muskel am Unterschenkel überdehnt zu haben. Jeder Schritt tat weh und wir mussten langsamer machen. Schmerzmedikation brachte auch nicht wirklich etwas, so dass wir häufiger als sonst Pausen machten. Nach ca. 12 Meilen und etwas Anstieg begannen die ersten Schneefelder. Was zuerst nur einzelne Flecken waren, wurde nach kurzer Zeit zur fast durchgängigen Schneefläche.

Wir hatten gehofft, den Schnee endgültig hinter uns zu haben

Man kam wieder nur langsam voran und das Laufen war noch anstrengender als sonst. Die erste und einzige Wasserquelle heute war ein Bach, der aber noch komplett schneebedeckt war. Wir mussten ein paar hundert Meter dem Lauf folgen, dann fanden wir eine kleine offene Fläche mit eiskalten Nass.
Gegen Abend suchten wir einen schneefreien Platz zum Zelten, was gar nicht so einfach war. Am Ende fanden wir ihn unweit des höchsten Punktes des PCTs in Oregon. Bei einigen trockenen Flecken baute Salty Dog gerade sein Zelt auf. Nach gutem Essen fielen wir erschöpft in die Kojen.
Mit Sonnenaufgang standen auch wir wieder auf. Die ersten Meilen führten über meist schneebedeckte Hügel und durch Wald langsam bergab. Irgendwann hörte auch der Schnee auf, und der Trail zeigte sich von seiner schönen Seite.
Nach 17 Meilen nahmen wir eine Abzweigung zum Oregon Skyline Trail. Der verläuft hier auf der alten PCT-Route und führt auch zu unserem nächsten Ziel, dem Shelter Cove Ressort. Ausserdem ist er 7 Meilen kürzer, hat mehr Wasserstellen und ist schneefrei.
Am Abend schlugen wir im Wald unser Lager auf. Eine kleine Anhöhe und eine leichte Brise sorgten für etwas weniger Moskitos. Ausserdem trafen wir auch wieder auf Franz, einem 63-Jährigen Amerikaner den wir noch aus der Wüste kannten. Damals wanderte er noch mit seiner Schwester, die mittlerweile aufgehört hatte.

Abendessen am reichhaltig gedeckten Tisch

Am darauf folgenden Tag schliefen wir alle etwas länger, da die Strecke bis zum  Shelter Cove Ressort – einen an einem See gelegenen Park mit Campground, Hütten, Shop und Imbiss – mit 13 Meilen überschaubar kurz war. Gegen Mittag sollten wir das geschafft haben. Die Mücken schliefen anscheinend auch länger, so dass wir sogar in Ruhe draussen frühstücken konnten.
Der Trail war zwar nicht sonderlich spannend, dafür meist flach und gut zu laufen. In dem Gebiet scheint es vor vielleicht 10-15 Jahren gebrannt zu haben. Totholz lag noch überall, aber die jungen Bäume waren schon so groß, dass sie genügend Schatten spendeten.
Die meiste Zeit liefen wir in Wassernähe, was natürlich dazu führte, dass jeder eine Wolke aus Moskitos hinter sich herzog. Wir nannten sie „Unsere Groupies“. Wir fanden aber schnell heraus, wie wir damit umgehen mussten um Pausen zu machen. Wenn man sich setzte, dauerte es erstmal nur kurz, bis die Viecher versuchten irgendwo auf Hemd oder Hose zu landen. Dann kann man 10-20 Stück klatschen, und schon ist halbwegs Ruhe. Wir fanden auch heraus, dass man die überall laufenden Ameisen wunderbar mit Moskitoleichen füttern kann. Man wirft sie über ihnen ab, und sie nehmen sie direkt auf und tragen sie fort. Vermutlich als Futter für den Nachwuchs. So hielt sich dann auch unser schlechtes Gewissen in Grenzen, obwohl hunderte Leichen unseren Weg säumten.
In Shelter Cove angekommen suchten wir direkt den Shop auf, bestellten lecker Essen und tranken einen Kaffee.

Shelter Cove Ressort

Anschließend nutzten wir die Münzdusche (3 Minuten sind verdammt schnell vorbei) und wuschen unsere Wäsche. Es waren auch wieder viele Wanderer da, mit denen man sich austauschte und fachsimpelte. Unser Versorgungspaket war zum Glück auch da, so dass wir die Säcke mit Futter für die nächsten 4 Tage auffüllten.
Am Abend gingen wir zu einem direkt daneben gelegenen Campingplatz, da es im Shelter Cove teurer gewesen wäre zu zu zelten.
Salty Dog kam auch noch nach. Er hatte einen harten Tag am Trail. Seit 3 Wochen plagen ihn Hüftschmerzen, gegen die er händeweise Tabletten schluckt. Heute war es aber so schlimm, dass er kaum noch laufen konnte. Er sprach schon vom Aufhören, wir konnten ihn aber überzeugen, dass er erstmal einen Arzt in der nahegelegenen Stadt konsultieren sollte. Das macht er dann hoffentlich morgen.
Die Küche des Ressort öffnete um 7 Uhr,  nur kurz darauf waren wir zusammen mit Salty Dog und einigen anderen Hikern bereit zum Frühstück und Kaffee. Nach so netten Tagen in diesem Orten oder Ressorts, fällt es uns immer etwas schwerer wieder loszulaufen. Ein paar bekannte Gesichter trudelten im Laufe des Vormittags auch noch ein. Drei „letzte Kaffees“ später überwunden wir uns doch mal und trabten um 11:30 Uhr los. Von Salty Dog hatten wir uns sicherheitshalber mal verabschiedet. Er wird morgen einen Doktor sehen, aber eigentlich glaubt weder er noch wir, dass er weiterhiken kann. Sehr schade! Eigentlich hatten wir vor, nur einen kurzen Tag mit vielleicht 12-14 Meilen zu machen. Wegen den Wasserstellen änderten wir aber im Laufe des Tages noch diesen Plan und es wurden am Ende doch noch 21. Nach ein paar Meilen trafen wir Andy. Er hatte die Abzweigung zum Shelter Cove versäumt, wo er eigentlich unbedingt hin wollte. Mann, war der sauer als wir ihm auf der Karte zeigten, dass er ca. 5 Meilen umsonst gelaufen war…
Der PCT hatte zwei kleinere Anstiege über je ca. 300-400 Meter, nichts was uns noch schocken würde. Wir liefen die komplette Zeit durch Nadelwald, der noch nicht lange vom Schnee befreit war. Ein paar letzte Flecken mussten wir auch noch überqueren. Einige Seen säumten den Weg, kristallklar, hellblau und von Berghängen und Bäumen gesäumt.

Schöne Aussichten überall

Am letzten schlugen wir dann auch unser Lager auf. Waren die Mücken tagsüber noch erträglich, so waren sie hier die Hölle. Zum ersten mal kochten wir deshalb im Zelt. 
Das sollte man eigentlich nicht machen. Zum einen wegen den Wildtieren, die dann zum Schlafplatz kommen können, zum anderen aber vor allem wegen der Brandgefahr. Man ist ja umgeben von hauchdünner Plastikfolie. Wir passten gut auf und natürlich ist nichts passiert.

Nachdem wir erst gegen 22:30 eingeschlafen waren, standen wir auch etwas später auf. Die Mücken hielten sich zurück, so dass wir in Ruhe frühstücken konnten. Das Tagesziel legten wir in 22 Meilen fest, ein Zeltplatz an einem See, der recht schön sein sollte.
Der Trail wand sich heute um diverse kleinere Seen herum, führte durch  staubige Abschnitte und Totholzfelder.

Irene mutig beim „logging“

Das Höhenprofil war recht angenehm, so dass wir uns Zeit ließen und um 18 Uhr an besagtem See ankamen. Einige andere waren schon da und noch ein paar trudelten ein. Die meisten hatten wir schon mal gesehen. Ein deutsches Paar trafen wir zum ersten mal. Sie haben einen großen Teil der Sierras geschafft und sind zügiger als wir unterwegs.
Als der Wind abnahm und die Mückenschwärme zunahmen, verschwanden wir dann alle zügig in den Zelten.
Gut erholt und frisch gestärkt starteten wir in den neuen Tag. Wir gingen durch Wälder und über steppenartige Landschaft, vorbei an Vulkanen und ein paar Seen.

Da macht man gerne Pause

In der Nähe baute sich ein imposanter Berg auf. Die südliche der „drei Schwestern“ (Three Sisters), wie diese erloschenen Vulkane hier heißen. Sie ist mit einem letzten Ausbruch vor ca. 2000 Jahren die noch am ehesten aktivste der drei. Etwas weiter sahen wir dann auch die mittlere. Etwas spitzer und weniger farbenfroh.

Die südliche Schwester

Schneefelder gab es auch wieder einige, aber meistens nur 50-100 m lang, nicht steil und mit guten Fußspuren zum Folgen. Noch vor 1-2 Wochen lag hier alles noch unter der weissen Decke.

Gerade vom Winter befreit

Unterwegs hatten wir ausnahmsweise einmal Netzempfang, und erhielten von Salty Dog die traurige Nachricht, dass er beim Arzt war und aufhören muss. Scheint etwas degeneratives in der Hüfte zu sein. Hat uns schon getroffen und er hat unseren vollsten Respekt für das Erreichte! Mit 66 Jahren, Hut ab!
Unseren Zeltplatz fanden wir zu Beginn der Obsidian-Area, einem Gebiet wo es dieses schwarze Vulkanglas zu hauf gibt. Wir machten uns sogar etwas sorgen, dass die spitzen Kanten und Ecken für unsere Luftmatratzen gefährlich werden könnten, aber es passierte nichts.
Am letzten Morgen standen wir wie üblich  gegen 6 Uhr auf, packten routiniert Schlafsäcke, Isomatten und alles andere ein und bauten unser Zelt ab. Danach frühstückten wir wie gewohnt Oatmeal und tranken Kaffee (erstaunlich leckeren Instantkaffee von Starbucks). Fröhlich starteten wir dann in den Wandertag, denn erstens erwartete uns nach einem knappen km ein Wasserfall, zweitens lagen nur noch gut 20 km vor uns bis zur Kleinstadt Sisters. Was bedeutet: Kaffee, Essen, Duschen!!!

Wir starteten also hochmotiviert – und liefen dank Schneefeldern und Gedanken an leckeres Essen direkt an einer Kreuzung vorbei und prompt in die falsche Richtung. Das bescherte uns einen Umweg von ca. 4 km und einen zusätzlichen Aufstieg um ca. 200 Meter. Egal, die Landschaft war schön, es waren kaum Moskitos unterwegs und die Stadt war trotz Umweg zum Greifen nah. Ein kackdreister Vogel belagerte uns in der Pause, scheinbar im ein paar Krümel Müsliriegel abzugreifen.

Keine Ahnung was es ist, aber es ist aufdringlich

Der Schnee bedeckte den Trail nur noch stellenweise, und an 2 Stellen konnten wir sogar wieder auf dem Hosenboden hinunterrutschen! Die letzten 13 km ging es meist bergab, die 4 letzten km allerdings über Lavafelder, was zwar sehr beeindruckend, aber extrem unangenehm für Füße und Gelenke ist.

Rundherum nur Lavageröllfelder. Sehen „ganz frisch“ aus, sind aber schon rund 2000 Jahre alt

Als wir endlich auf dem Highway standen, waren wir froh, asphaltierten Boden unter unseren Füßen zu haben – wohl das erste Mal, dass wir uns freuten, auf einer Straße laufen zu können! Unweit waren zwei Parkplätze,  da ein Aussichtspunkt einen Überblick über das Feld gab. Neugierige, an Menschen gewöhnte Streifenhörnchen waren überall.

Der Kollege saß lange so unbeweglich und schaute in die Ferne

Eine nette Familie aus Seattle bot uns beim nahegelegenen Parkplatz an, uns bis zur Stadt mitzunehmen, und so sind wir jetzt in Sisters, einer kleinen Touristenstadt, und genießen den Komfort eines Motelzimmers. Da Stephans Probleme mit dem linken Unterschenkel über die letzten Tage eher schlimmer geworden sind, werden wir zur Sicherheit einen Zerotag einlegen, damit sich das hoffentlich bessert und nicht überlastet wird. Vielleicht geht er auch noch zu einem Arzt, wobei er schon etwas Angst vor einem möglichen verordneten Wanderende hat. Wir haben nun knapp 2400 km geschafft und wollen den Rest natürlich auch noch schaffen!

9 Gedanken zu „Von Ashland bis Sisters&8220;

  1. Bei Mosquitos hört der Tierschutz auf…wenn auch mit schlechtem Gewissen…mich haben diese kleinen Teufel in den Carolinas fast aufgefressen.

    War wieder sehr spannend zu lesen. Die Landschaft ist wirklich beeindruckend, aber ansonsten weiß ich nicht, ob ich mit euch tauschen wollte.
    Habt meinen tiefsten Respekt!!
    Kommt gut weiter und passt auf euch auf.

  2. Hi Hiker ?. ….schön von euch beiden wieder mal etwas schönes zu lesen . Immer wieder spannend , schöne Fotos und die Natur ….einzigartig . Tut mir leid für euch wegen Salty Dog . Stephan hast du deine Wade umwickelt ? Ich hoffe es ist nicht schlimmes und ihr könnt bis zum Schluss durch ziehen . Passt auf euch auf ….ganz viele liebe Grüsse aus Germany eure Bianca ??

  3. Zum Café trinken würde ich mich ja gerne zu euch gesellen. Aber der Weg dahin ?
    Da bewundere ich euch immer mehr das ihr das so durchhaltet.
    Alles gute für Stephan und das ihr weiter wandern könnt. Freue mich immer riesig von euch zu lesen.

  4. freue mich jetzt schon auf den nächsten Bericht von euch 😉
    ganz tolle Bilder, man ist wieder mittendrin, danke dafür.
    Für Stephan gute Besserung und passt auf euch auf,
    liebe Grüsse aus Franken

  5. Ihr Lieben, wie immer toller Bericht und schöne Fotos. Das Streifenhörnchen gefällt mir am besten.
    Ich halt die Daumen, dass ein Zerotag und vielleicht ein paar Wickel oder Mittel Speedy bald wieder fit sein lassen.
    Liebe Grüße

  6. Hi ihr zwei das Lässt sich gut lesen ich bin Richtig Neidisch und die Bilder und das Panorama sehen Klasse aus.Lasst euch Ruhig zeit in der Ruhe Liegt die kraft und Passt auf eure Gräten auf. weiter hin viel Spass euch beiden. Gr Rainer 😉

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