Von Cascade Locks nach Trout Lake 

Unseren letzten Stop in Oregon krönten wir mit einem entspannten Zerotag in Cascade Locks. Cascade Locks ist eine hikerfreundliche Ministadt am Columbia River, malerisch eingebettet in das Flusstal zwischen Berghängen auf beiden Seiten.

Sowas hilft zur Orientierung

Wir zelteten im Garten eines Trailangels zusammen mit ca. 10 weiteren Hikern. ‚Shrek’s Swamp‘ nennt der Trailangel seine Einkehrmöglichkeit für Hiker. Den kompletten Garten stellt er zur Verfügung und einen Teil seines Hauses, inklusive Badezimmer, Waschmaschine und Kühlschrank. Im Garten hat er ein Hobbithaus gebaut und gerade baut er noch eine Art Baumhaus. Zwischen den Zelten stromert dann auch immer wieder sein Hund Nelly herum, eine große Jagdhündin, allzeit auf der Suche nach Streicheleinheiten, erbetteltem Essen vom Tisch oder auch Mäusen im Holzstapel. John, der Trailangel, gesellt sich abends gerne zu den Hikern und so gab es gemütliche Plauderrunden am Lagerfeuer. 
An unserem Zerotag trampten wir ins nicht weit entfernte Portland, die größte Stadt Oregons, schauten uns die quirlige, junge City an und kauften neue Wandersocken.

Hafen mit Brücke

Am Hafen staunten wir nicht schlecht, als wir plötzlich mitten im einem Festival standen, das wohl irgendwas mit Meerjungfrauen zu tun hatte, hunderte Frauen, Kinder und Männer hatten sich als Meerjungfrauen verkleidet!

Seifenblasenartisten

Zurück nach Cascade Locks kamen wir mit einem Thruhiker aus 2015, der ebenfalls in Cascade Locks bei Shrek im seinem Van wohnt und regelmäßig nach Portland zum Arbeiten fährt. Am Abend kehrten wir in einer lokalen Brauerei ein. Dort können die Gäste vorab ein Freibier für Thruhiker kaufen. Dazu schreiben Sie noch auf einen Bierdeckel ein paar nette Worte. Zumindest meistens. Unsere Tischnachbarin bekam „You’ll never make it!“ Sehr aufbauend 😉

Unsere Hikerbeer-Deckel

Nach diesem entspannten Zerotag brachen wir am nächsten Vormittag (Sonntag) wieder zum Trail auf, wie üblich nach dem 3. ‚letzten‘ Kaffee erst gegen Mittag. Unser Weg führte als erstes über die Brücke ‚Bridge of the gods‘, die den Columbia River überspannt – am anderen Ufer erwartete uns Washington.

Beeindruckende Stahlkonstruktion mit freiem Blick durch den Gitterboden

Die Brücke hat keinen Fußgängerweg, und so mussten wir direkt auf der Fahrbahn laufen – sehr zur Freude der Autofahrer. Es war ziemlich eng und damit es noch gemütlicher wird, blies uns böig ein starker Wind um die Ohren, so dass wir froh waren, als wir das Ende der Brücke und damit Washington erreichten.

Stephan am Ende der Brücke und vor Washington

Direkt nach der Brücke beginnt der Trail wieder, schlängelt sich durch Wälder nach oben. Cascade Locks markiert den tiefsten Punkt des gesamten PCT mit gerade mal 30 m, in Washington führt der Weg aber natürlich wieder über die Berge der Kaskadenkette. Versüßt wurde uns der enorme Anstieg, durch Brombeeren und Heidelbeeren, die entlang des Wegs wachsen – und sie sind zuckersüß! Diese Pflückpausen an den üppig bestückten Sträuchern nutzen wir gerne.

30 Beeren und mehr an einem Busch, klasse!
Vitamine für Zwischendurch.

Nach 20 Meilen ergatterten wir an einem lauschigen Bach auf einer Sand-/Kiesbank einen einsamen Zeltplatz und waren froh, denn es war bereits nach 21 Uhr und damit fast dunkel.

Etwas härter als Waldboden und nachts recht laut durchs Rauschen des Bachs, aber wenn es bereits dunkel ist darf man nicht wählerisch sein

Nachdem wir am Vorabend so spät ins Bett gekommen waren, schliefen wir am nächsten Morgen aus. Nach Frühstück und Kaffee brachen wir um 8 Uhr auf. Der Trail wand sich weiterhin durch regenwaldähnliche Täler mit moosbewachsenen Laub- und Nadelhölzern.

Gigantische Bäume – unten die Trekkingstöcke zum Grössenvergleich

Nach der Mittagspause an einem rauschenden Fluss begann der weitere Aufstieg. Da wir wussten, dass wir es unmöglich zum nächsten Zeltplatz mit Wasser schaffen konnten, mussten wir für die Nacht einiges an kühlem Nass mit hochschleppen. Der 1000 m Anstieg bei ca. 38 Grad und schwüler Luft war schweißtreibend. Oft pausierten wir und mussten trinken. Auf halber Strecke des Berges gaben wir dann auf. Es war bereits 19 Uhr und der Zeltplatz war einladend. Lediglich die Temperatur versprach eine warme Nacht. 
Am Montag starteten wir sehr früh, denn wir wollten den Rest des Anstiegs hinter uns bringen und außerdem frühstücken – da der Anstieg leider ohne jede Wasserquelle war, hatten wir für das Frühstück kein zusätzliches Wasser mitgenommen, sondern statt Schleppen von noch mehr Wasser den Berg hinauf entschieden, erst 4 km nach dem Gipfel beim nächsten Bach zu frühstücken. Bis dahin lagen 12 km vor uns – und gegen 9:30 Uhr waren wir dort und der Instantkaffee schmeckte gleich doppelt so gut. Auch wenn der PCT hier grösstenteils durch Wald lief, gab es immer wieder mal tolle Aussichten z.B auf den nahen Mount Adams.

Wald soweit das Auge reicht!

Trotz Hitze und weiterem Auf und Ab lief es sich gut an diesem Tag, vielleicht ein bisschen auch, weil wieder Horden von Moskitos und nervigen Fliegen uns antrieben. Pausen machen mit Moskitos macht einfach weniger Spaß, so lange man aber läuft, hat man halbwegs Ruhe. Stephan ging noch unfreiwillig in einem kleinen Teich baden, nachdem er beim Wasserholen am schlammigen Ufer ausgerutscht war. Am Abend hatten wir 29 Meilen geschafft – das sind gut 47 km! Rekord für uns! Trotzdem merkten wir wieder (auch am nächsten Morgen!), dass wir einfach nicht für diese Monsterläufe geschaffen sind. Mehr als 25 Meilen büßen wir immer danach.

In den letzten Tagen kamen uns Horden an Southboundern entgegen, also Thruhiker die an der kanadischen Grenze gestartet sind und nach Süden gehen. Deshalb sind zur Zeit die Zeltplätze etwas voller als zuletzt. Ein Northbounder, den wir hier getroffen haben hat uns dann doch etwas demotiviert. Er ist 4 Wochen nach uns gestartet und ist schon durch die Sierras. D.h. er hat in nur 3 Monaten das geschafft, was wir in 4,5 geschafft haben werden. 
Bis zur ersten Stadt in Washington, Trout Lake, blieben für den nächsten Tag nur noch 23 km, die wir gegen Mittag bereits geschafft hatten – und zu unserer großen Freude war an der Straße auch direkt ein Trailangel, der uns mit in die Stadt nahm. Hier bleiben wir eine Nacht und morgen geht es zurück zum Wandern – nach Dusche, Wäschewaschen, Einkaufen, Paket verschicken und natürlich Essen Essen Essen 🙂

12 Gedanken zu „Von Cascade Locks nach Trout Lake &8220;

  1. Der Weg ist das Ziel und nicht die Geschwindigkeit!
    Von den Beeren hätte ich auch gern welche gehabt.
    Weiterhin gutes Wandern!!!
    Liebe Grüße

  2. Hier gibt es auch Beeren,und nachmittags beim Gassi gehen wird genascht,Blaubeeren , Himbeeren und jetzt auch Brombeeren , von der Hand in den Mund , total lecker.Viel Spass weiterhin und bleibt gesund !

  3. manchmal möcht ich direkt ein Stück mit euch durch diese tollen Landschaften wandern…. 😉
    weiterhin viel Glück und passt auf euch auf 😉 lg

  4. Es ist immer wieder beeindruckend, was ihr erlebt. Ob man sich nach so viel Weite und Natur wieder im stressigen, hektischen „good old Germany“ wohl fühlen kann?
    Kommt gut weiter und bleibt gesund.

  5. Ihr Lieben! Wiederr ein interessanter Bericht mit wunderschönen Fotos!
    Hoffentlich geht es so gut weiter! Ich freue mich schon sehr auf unser Wiedersehn und Eure ausführlichen Berichte! Für die Weiterwanderung wünsche ich Euch weiterhin stabile Gesundheit und passendes Wetter!
    Ganz liebe Grüße; ich drück Euch die Daumen! Mama

  6. Hi ihr zwei Überflieger macht euch nix daraus das andere Flotter sind wie ihr zwei denkt an Konfuzius in Luhe Liegen Klaft 😉 die Brück ist schon Cool die hätte ich auch gerne mal gesehen aber die Hemlocktannen ist der Ober Knaller ich Liebe diese Bäume Tolles Foto also dann schönes weiter Laufen und auf passen auf euch und denn Spass geniesen Bis dann .Gr.Rainer

  7. So, dieses Mal bin ich dichter hinter Euch?! Na, so schnell werdet Ihr Euch doch nicht demotivieren lassen, ein etwas langsameres Tempo ist doch für Eure eh schon sehr beanspruchten Füße gesünder, außerdem habt Ihr mehr davon und könnt die fantastischen Landschaften besser genießen. Es ist ja toll, dass es auf Eurem Weg immer wieder so nette Menschen gibt, die Euch Wanderer willkommen heißen und Euch Essen, Haus oder Garten zurVerfügung stellen. Großherzig! Ich freue mich auf die nächsten schönen Erzählungen und beeindruckenden Fotos von Euch!
    Liebe Grüße

  8. Hallo IHR beiden
    Seid nicht neidisch wenn einer schneller
    Ist
    Lauft euren Rüttmuss.
    Ich habe auch einen schönen Ausblick aus meinem Fenster der Ulmer Uniklinik

    Grüße vom mir und Peter vom Nachbarbett

    1. Du hast uns nen gehörigen Schrecken eingejagt, mach sowas nie wieder!
      Gute Besserung und komm schnell wieder auf die Beine. Deine persönliche Sozialarbeiterin hält uns auf dem Laufenden; -)

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