Von Tehachapi zum Walker Pass (Meile 652 = 1043 km)

Als erstes möchten wir uns nochmal bei allen bedanken, die uns bisher gefolgt sind und die uns immer wieder anfeuern und motivieren. Verzeiht dass wir nicht wirklich auf die Kommentare antworten, aber wir haben nur selten Netz. Auch für alle Glückwünsche zu unseren Geburtstagen möchten wir uns nochmal ausdrücklich bedanken!

Nach zwei Zerotagen in Tehachapi, wo es überraschend kalt und windig war, ging es Samstag morgen mit dem Bus zurück auf den Trail. Mit neuen Schuhen, viel zu essen für die 5 Tage vor uns und mit neuen Zeltstangen im Rucksack ging es los. Gleich zu Beginn erwartete uns ein langer Aufstieg in praller Sonne. 

Der Aufstieg war wieder anstrengend

Die Etappe vor uns versprach zum einen sehr heiß zu werden (Stichwort Mojave!!!), zum anderen gab es nur wenige Möglichkeiten, an Wasser zu kommen, so dass wir gut planen mussten. 

Die Temperaturen blieben jedoch erträglich, trotzdem fiel uns der Aufstieg über den ganzen Tag doch sehr schwer und wir waren erleichtert, als wir am frühen Abend nach immerhin 17 Meilen bergauf am geplanten Zeltplatz an einer der wenigen (der ersten überhaupt heute!) Quellen ankamen und endlich unser Zelt aufbauen konnten. Die Quelle war nur mit Kletterkünsten über Stacheldraht erreichbar, aber wenigstens Wasser! Natürlich gab es auch heute wieder – Nudeln! 

Nach dem Essen fielen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit völlig erledigt und mit schmerzenden Füßen in unsere Schlafsäcke und schliefen ein ohne den wunderschönen Sternenhimmel über uns gebührend zu bewundern. 

Mit uns am Zeltplatz verbrachten noch 6 weitere Hiker die Nacht – klar, am Wasser sammeln sich dann abends immer alle. Die nächste Wasserquelle war wieder recht weit entfernt, so dass wir wieder das Wasser für den Tag bereits morgens einkalkulieren und mitnehmen mussten, erst wieder abends würden wir zur nächsten sicheren Quelle kommen. Früh ging es los und die Landschaft gestaltete sich abwechslungsreich – den ganzen Tag liefen wir eine Bergkette entlang und kamen sogar in einen richtigen Wald – endlich mal nicht überall Waldbrandspuren! 

Schatten und grün – sehr schön zur Abwechslung
Wir schlugen nach 20 Meilen mitten im Wald an einem wunderschönen Platz unser Zelt auf und genossen den Abend in der wunderschönen Waldlandschaft. 

Am nächsten Morgen ging es hinab ins Tal, durch einen zauberhaften Wald. Plötzlich bewegte sich neben einem großen Fels etwas – wir blieben stehen und guckten. Zurück guckte ein völlig verdutzer Weissweldelhirsch – nach kurzer Schrecksekunde hüpfte er den Berghang hinauf. Hätten wir die Kamera nur schneller zur Hand gehabt … 

Und dann – wenige Sekunden später – kam ein Coyote dem Hirsch hinterher und folgte ihm. Ob wir die Jagd gerade unterbrochen hatten? Durfte der Hirsch weiterleben? Und der Coyote dafür hungrig bleiben? Die Natur ist manchmal gleichzeitig wunderschön und faszinierend und doch auch grausam. Fressen und gefressen werden … 

Diese „Urzeitsaurier“ sind wesentlich fotogener. Sie bewegen sich kaum.
Und auch das Häschen war wenig scheu

Es war leicht bewölkt und zwischendurch schneite es sogar leicht, was uns aber eher amüsierte – ‚it never rains in southern California‘ …. 🙂 

Gegen Mittag lichtete sich der Wald und machte erneut der trockenen Wüste Platz – willkommen zurück in den Ausläufern der Mojavewüste! Alle Führer warnten – die folgenden 50 Meilen seien hart. Sehr trocken (Wasser planen und schleppen!!) und heiss in praller Sonne. 

Ein rostiges Buswrack – sehr skurril in der Landschaft
Pustekuchen. Der Nebel, der am Morgen schon in den Bergen um uns war, verdichtete sich zu Wolken und eiskalter Wind kam auf. So liefen wir also mit Fleecejacke und Handschuhen durch den Sand und sowohl der böige kalte Wind als auch der tiefe Sand, der den Trail bedeckte, erschwerten uns den Anstieg. 

Wunderschöne Ausblicke begleiteten uns jeden Tag
Völlig verfroren und leicht entnervt schlugen wir unser Zelt abends an einem einigermaßen ebenen Platz neben einer Palme auf – wegen des heftigen Windes jedoch trotz Kälte ohne Aussenzelt, denn das wäre uns wohl weggeflogen … Nudeln gabs auch nicht, denn Kochen bei dem Wind war auch nicht möglich. Deshalb gabs Cracker mit Käse! 

Alte Palmen als Windschutz
Besorgt, ob nachts noch Regen käme, verbrachten wir eine unruhige Nacht und waren fast froh, als sie vorbei war. 

Schnell packten wir zusammen und liefen los in der Hoffnung, dem immer noch eisigen und böigen Wind zu entkommen. Der Himmel war aufgeklart, so dass wir hofften …

Mit etwas Sonne war es erträglich

Ein Tagesziel war ein Watercache, also ein Platz wo freiwillige Helfer Wasserflaschen für Wanderer deponieren um die Strecken zu verkürzen auf denen man Wasser schleppen muss. Es ist zwar immer etwas riskant sich auf sowas zu verlassen, aber wenn man aktuelle Meldungen hat geht es. Dort treffen sich dann auch meist alle zum Pausieren. Dieser Cache hatte sogar eine Box mit leckerem Hikeressen. 

Beim Wasser lässt es sich gut rasten

Leider vergebens. Die Sonne zeigte sich selten, der Wind begleitete uns weiter. Und es wurde bitterkalt. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es, und der Himmel war wieder komplett bewölkt. Das war also einer der heißesten Abschnitte des PCT – soso!

Das erste mal mussten wir die Daunenjacken zum Laufen anziehen
Wir froren und klapperten, abends erreichten wir einen Zeltplatz auf ca. 2100 m Höhe, wieder bei einer Quelle. Das Zelt wurde fix aufgebaut und trotz Wind samt Außenzelt. Denn der Himmel sah nach Regen aus. Direkt beim Zeltplatz gab es eine Cabin, eine kleine Holzhütte, in der wir geschützt und auf Stühlen an einem Tisch essen konnten – Luxus pur! 

Stephan nutzte das gleich, um sein erstes Trailbrot zu backen – lecker wars! 

Trailbrot – einfaches Rezept, bisschen Sauerei, aber sehr lecker mit Nutella
Morgens war alles klamm und überall war Nebel – nach einem schnellen Frühstück packten wir alles ein und machten uns auf den Weg – ziemlich frohgemut trotz des Wetters – denn es stand ein leichter Abstieg (1000 Höhenmeter auf 8 Meilen) an – und nach diesen 8 Meilen stand die nächste Stadt auf dem Programm! Wir liefen diesmal völlig ohne Hetze die Hänge entlang und je weiter wir nach unten kamen, desto wärmer wurde es. Hatte es oben noch leicht geregnet und eisige Böen uns geärgert, schien unten die Sonne erfreulich warm. 

Kalter Nebel und eisiger Wind – nicht schön
Auf nach Ridgecrest! Schnell wurden wir von einem Van mitgenommen, der auf dem Weg nach Las Vegas war – und schon am frühen Nachmittag waren wir in der Stadt. 

Nene trampt für ihr Leben gerne

Hier ist es wirklich heiß und die Sonne brennt vom Himmel! 
Wir werden hier 2 Nächte bleiben, uns erholen und überlegen, wie es weitergeht. Auf dem Programm steht nämlich jetzt eigentlich die High Sierra – mit Bergen über 4000 m und dem derzeitigen Schnee (Rekordjahr!!) ist es noch zu früh im Jahr um uns ins Hochgebirge zu wagen. Schneemassen, hohe Flusspegel …. 

In Ridgecrest war es mindestens 15 Grad wärmer als am Berg

Wir überlegen, stattdessen 2 Wochen Urlaub vom Wandern zu nehmen und dem Schnee etwas Zeit zu geben. Vermutlich werden wir dann bei Reno weiter nördlich wieder einsteigen und entweder erst das etwas flachere Oregon wandern oder aber von dort aus südwärts in die Sierra gehen. Auch dort wären erstmal keine so große Höhen. Wir wollen die Sierra auf alle Fälle machen, aktuell ist es uns einfach noch zu früh. Schon in „normalen“ Jahren sagt man, dass Anfang – Mitte Juni gut wäre, in Rekordschneejahren eher 4 Wochen später. Ausserdem waren wir beide noch nicht in Südkalifornien, und so können wir etwas Sightseeing machen (Las Vegas, Grand Canyon,  San Francisco). Das wird zwar ein harter Schlag für unser budget werden, aber eine andere Möglichkeit sehen wir gerade nicht.
Auf der letzten Etappe haben wir zum einen die 600 Meilen geschafft, zum anderen auch die 1000 km! Wir sind schon über 1000 km gewandert! Wahnsinn!

600 Meilen von 2600 sind geschafft

13 Gedanken zu „Von Tehachapi zum Walker Pass (Meile 652 = 1043 km)&8220;

  1. Genießt euren Urlaub. Habt ihr euch verdient. ? Danke für euren Blog, freu mich immer über eure Berichte. Lasst es euch gutgehen. ?

  2. Gönnt euch den Urlaub!! Das klingt total schön und ihr habt es euch sowas von verdient.
    Ach übrigens, ich hätte auch nicht erwartet, dass ihr auf die Reaktionen hier auch noch antwortet.
    Ich bin nur immer gespannt, wann ihr wieder etwas von eurer Tour berichtet und jedes Mal wirklich beeindruckt, was ihr da leistet!!!!
    Macht weiter so und vllt versucht ihr euer Budget in Las Vegas etwas aufzupolstern??

  3. Hi ihr 2 …..wieder mal sehr schön zu lesen . Es fühlt sich an , als wenn man dabei wäre . Gönnt euch mal was ….den Urlaub habt ihr euch verdient . Vor der Mojawe Wüste hätte ich Mega Respekt . Passt auf euch auf und haltet uns auf dem laufenden ?

  4. Hallo Meine lieben
    Jetzt erholt euch mal schön und last mal in Reno die Kugel laufen
    oder zieht am einarmigen Banditen, vielleicht habt ihr Glück ?
    Und könnt euch zwei Pferde kaufen. Jonny hat heute sein erstes Cevapcici verspeist er war begeistert. Vor Freude hat er sich im Mist gewälzt meine war nicht so groß.

  5. Wahnsinn, was ihr da alles schaffen müsst! 1000 km – Hammer! Danke für die immer wieder schönen Berichte und Fotos. Genießt eure zwangsweise Auszeit von 2 Wochen – die habt ihr euch redlich verdient. Passt weiterhin gut auf euch auf. <3

  6. Liebe Nene, lieber Stefan, vielen Dank für Nenes Anruf, ganz lieb , daß Ihr auch an uns denkt, wo Ihr so viel afúfregendes habt. Es ist wunderbar, daß man durch den Blog Euch sozusagen begleiten kann! Hoffentlich geht esEuch weiterhin gut und Ihr könnt noch viel Schönes erleben. Meine Gedanken sind bei Euch und ich grüße Euch ganz herzlich! Mama

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