Von Wrightwood nach Aqua Dulce 

Am Morgen des 1.5. wachten wir in unserem leicht schäbigen Motelzimmer in Wrightwood auf und dann ging es erstmal gemütlich zum Frühstück ins Cafe Evergreen um die Ecke. Die nötigen Einkäufe und Vorbereitungen für die nächsten Wandertage hatten wir schon am Nachmittag vorher erledigt, so dass wir gemütlich frühstücken und Kaffee trinken konnten. Gegen eine kleine Gebühr von 10 $ brachte uns die Besitzerin des Motels dann mit dem Auto zurück zum Trail – ohne Offtag, aber frisch geduscht und mit gefühlt tonnenschweren Rucksäcken (Essen für 5 Tage!) machten wir uns auf den Weg. 

Auf dem Programm stand heute der Mount Baden-Powell mit gut 2900 m.
Der Aufstieg ging steil den Hang entlang durch einen lichten Pinienwald – alle halbe Stunde legten wir eine Pause ein, weil es ganz schön in den Beinen zwackte … überraschend war, wie sehr sich die Temperatur unterschied, je nachdem ob gerade Sonne oder Schatten war. Unterwegs trafen wir noch auf drei weitere Hiker, die wir schon kannten und so wanderten wir gemeinsam weiter.  Nach ca. der Hälfte des Aufstiegs kamen die ersten Schneeverwehungen in Sicht – und gaben uns einen Vorgeschmack auf das was uns oben erwarten würde …

Stephan im Schnee

Je höher wir kamen, desto mehr Schnee bedeckte den Trail, teiweise war er nicht zu erkennen und so folgten wir den Fussspuren – die jedoch zwar den Weg nach oben markierten, nicht aber den Trail.  Auf dem Schnee lief es sich gut, wir kamen gut voran und hatten unseren Spaß am Schnee. 

Irene kämpft sich am Baden-Powell durch den Schnee zum Gipfel

Dann – endlich oben und strahlender Himmel. Ausblick in alle Richtungen, es war grandios! Wir blieben eine Zeitlang auf dem Gipfel und ruhten uns aus, völlig fasziniert von der Aussicht. 

Gipfelselfie

Am frühen Nachmittag machten wir uns auf und gingen weiter – zunächst wieder über Schnee, und wieder verloren wir beim Abstieg ab und an den Trail dabei. Es war knifflig, nicht abzurutschen, aber wir hatten richtig Spaß und besonders Irene freute sich wie ein kleines Kind. In Serpentinen ging es – bald wieder schneefrei – den Berg hinunter über lange Meilen. Am Abend schlugen wir unser Zelt am ‚Little Jimmy Campground‘ auf, einem riesigen Platz für Zelte. Dort gab es sogar Tische!

Nach dem Tag auf dem Mount Baden-Powell gingen wir früh weiter und der Weg führte uns bergab und bergauf entlang an schönen Hängen. Es wurde merklich wärmer, aber der Weg bot überraschend viel Schatten. Da es leider eine Sperrung einiger Trailmeilen zum Schutz einer bedrohten Froschart gab, mussten wir einige Meilen den Highway entlang bzw. hätten wir gemusst. Aber noch auf dem Parkplatz vom dem aus wir losgehen wollten, hielt ein Auto an und ein junges Ehepaar nahm uns die 3 Meilen mit. Glück gehabt! Der Tag wurde dennoch lang, denn sowohl Wasser als auch Zeltplätze am Weg waren Mangelware. So liefen wir bis 19 Uhr durch und kamen völlig k.o. an einem Zeltplatz an einem Flüsschen an. Dort kochten wir noch schnell ein Nudelgericht und fielen schon eine Stunde später fix und alle im Zelt in tiefen Hikerschlaf. Mit uns am Platz waren noch ca. 10 weitere Hiker – und wie bei Hikern üblich – um 20 Uhr spätestens liegen alle im Schlafsack.
Am nächsten Morgen ging es gegen 7:30 weiter – als Geburtstagsgeschenk durfte Nene etwas ausschlafen 🙂
Es ging bergauf und bergab und diesmal war es der Poodledogbush, der neben der Hitze und der ständigen Sorge um die nächste Wasserquelle den Tag bestimmte. 

Poodledogbush, man riecht ihn zum Glück schon Meter vorher (riecht nach Bier oder Marihuana)

Heute gab es nämlich nur eine einzige Möglichkeit an Wasser zu kommen. Das war bei einer Feuerwehr die Hikern Wasser zur Verfüging stellte. Gegen Mittag waren wir dort – das nächste Wasser 17 oder 26 Meilen weiter … das wussten wir leider nicht (17 Meilen waren es dann). 8 Liter Wasser haben wir mitgenommen – und komplett gebraucht für den weiteren Weg! Stephan hat 6 Liter davon getragen (danke!!!!!!). Denn Wasser ist wichtig, sehr wichtig. Aber halt leider auch sehr schwer …

Nach einer ausgiebigen Pause bei der Feuerwache (die Hitze war schlicht unerträglich und der weitere Weg führte durch steppige Wüste) machten wir uns dann doch wieder auf den Weg. 

Trotz Hitze schöne Ausblicke

Zeltplätze waren leider wieder Mangelware und an den schmalen Berghängen gab es keine Möglichkeit das Zelt aufzustellen. Also liefen wir und liefen und endlich – wieder gegen 19 Uhr – doch noch ein Zeltplatz! Direkt oberhalb des Trails war ein kleines Plateau – perfekt zum Zelten! Also wieder Zelt aufbauen, Nudelgericht kochen und ab in den Schlafsack. Zur Feier des Tages gönnten wir uns dann noch eine mitgebrachte und bis dahin sorgsam gehütete Tüte Chips 🙂

Zum Poodledogbusch – eine Pflanze, die gerne in der Wüste wächst und besonders dort, wo Waldbrände waren, breitet sie sich aus. Problem dabei: Die Pflanze löst bei Berührung schwere Hautprobleme und Allergien aus. Über 30 Meilen lang mussten wir höllisch aufpassen sie nicht zu berühren. Aber wir haben es geschafft! Hoffentlich kommen nicht noch mehr …
Schon um 5:00 Uhr klingelte der Handywecker das erste mal.  Der Tag versprach heiß zu werden, und deshalb wollten wir früh los.
Es ging einige Windungen den Berg hoch, und dann bot sich ein schöner Blick, zurück auf den Platz wo wir geschlafen hatten.  Einige Meter darüber sah man eine Reihe von Gebäuden. 

Die Gebäude waren die ehemalige Abschussanlage

Wie wir später erfahren hatten, handelte es sich dabei um eine von fünf ehemaligen Nuklearraketenabschussanlagen aus der Zeit des Kalten Krieges, die in den Bergen hier stehen. Sie war wohl von den 50-ern bis 1974 in Betrieb. Ein eiskalter Schauer fuhr durch unsere Glieder bei dem Gedanken, so nah an einer Anlage geschlafen zu haben, die sowohl potentielles Erstschlagziel gewesen sein dürfte, und selber für Millionen potentielle Tote stand.

Unser erstes Ziel war eine Ranger Station, bei der es hoffentlich Wasser geben würde. Schon kurz nachdem die Sonne den Himmel erklomm brütet sie unbarmherzig herunter. Gegen 10:30 Uhr kamen wir an. Einige 10-Liter-Eimer Wasser standen zum Glück bereit. Wir machten Pause im Schatten,  aßen einen Happen und brachen gegen 12 Uhr wieder auf, um zum ca. 8 Meilen entfernten KOA-Camplatz zu gelangen. Dummer Fehler! 

Kaum Schatten irgendwo

Die Sonne bruzelte uns förmlich weg. Nicht umsonst gehen die meisten Hiker an solchen Tagen nicht um die Mittagszeit. Es soll uns eine Lehre gewesen sein. Die Temperaturen lagen gefühlt bei 35-40 Grad im Schatten, und Schatten gab es in dem erst kürzlich abgebrannten Gebiet keinen.
Irene gab ihr bestes

Völlig erschöpft und ausgetrocknet  (40 Grad warmes Wasser schmeckt widerlich!) kamen wir gegen 15:30 Uhr an besagtem Campingplatz an. Dieser liegt wie eine kleine Oase in der Wüste. Wiese, Bäume, ein Pool, kühle Getränke. Was will das Hikerherz mehr?
Zusammen mit ein paar anderen orderten wir noch Pizza und einen Salat, wuschen unsere Wäsche und erholten uns von den Strapazen des Tages. Der nächste Tag wird nur eine kurze Wanderung ins 10 Meilen entfernte Aqua Dulce werden. Dort werden wir wieder Essen aufstocken und zum Hiker Heaven gehen, einem der berühmtesten Plätze des PCT. Dort bewirtet die Trailangelfamilie Saufley viele hundert Wanderer im Jahr und es scheint ein Ort zu sein, den man gesehen haben muss. 

Nach einer doch sehr unruhigen Nacht aufgrund einer vorbeiführenden  Bahnlinie und Straße, packten wir um 5 Uhr unsere sieben Sachen um möglichst zügig vor der Hitze in Aqua Dulce zu sein. 

Am Morgen läuft es sich am besten

Kleinere schattenlose Anstiege führten uns nach 8 Meilen zum Vasquez Rocks, einer populären Felsformation an der öfters für Hollywoodfilme gedreht wird (u.a. Star Trek, Planet der Affen oder McGyver). 
Vasquez Rocks

Einem kurzen Roadwalk später waren wir dann im Hiker Heaven. Der Ort ist wirklich einzigartig! 5 Hunde laufen umher, freilaufende Hühner und drei Pferde,  klasse! 
Auch die freundlichen Hunde suchen den Schatten. Dir Pavillions sind für Internet oder Postsachen.

Man bekommt zuerst von einem freiwilligen Helfer eine kurze Einführung, also wie das mit der Wäsche, den Paketen oder der Dusche läuft, dann darf man sich entspannen. 

In der Garage werden Pakete für Hiker aufbewahrt, die sie sich hier her schicken.

Als Päarchen hatten wir wieder das große Glück ein Zimmer für uns zu bekommen, und nicht Zelten zu müssen. Auf dem Gelände stehen Pavillions für Pakete, PC-Zugang oder Näharbeiten. Donna Saufley ist supernett und bietet jedem an, sich doch einen Tag Auszeit zu nehmen. Da das Wetter aber ab heute kühler werden wird und sogar Regen angekündigt ist, werden wir morgen früh wieder aufbrechen um die kühlere Zeit für das angeblich schlimmste Stück Wüste auszunutzen. 

Jetzt gehen wir noch gleich die Meile zurück in den Ort um einzukaufen und etwas zum Essen zu finden. 

Bis bald aus Tehachpi in vermutlich 5 Tagen, 

Stephan 

10 Gedanken zu „Von Wrightwood nach Aqua Dulce &8220;

  1. Einfach sehr dindrucksvoll was ich lese und sehe. Schön dabei sein zu dürfen. Ich freue mich auf jeden neuen Bericht. Liebe Grüße und pasdt auf Euch auf!

  2. freu mich schon auf den nächsten bericht von euch 😉
    weiterhin viel spass und passt gut auf euch auf 😉 lg

  3. Hi ihr 2 ?…..wieder mal ein toller Bericht ….ich bin jedesmal begeistert. Ich hätte schon nach einpaar Kilometern aufgegeben. Hut ab . Passt auf euch auf . Bis bald ….freu mich schon auf euren nächsten Reisebericht

  4. Hallo Frauchen und Herrchen
    Matthias hat mir euren Bericht vorgelesen, bin ich froh das ihr mich zuhause gelassen habt.
    Immer nur Nudelsuppe!! Und laufen bis die Pfoten dampfen. Ich hätte heute fast eine Katze erwischt wenn die doofe
    Flexileine länger gewesen wäre. Aber sonst geht es mir supper habe auch einige neu Hunde Damen kennengelernt.
    Wau wau euer Jonny

  5. Es ist ungemein faszinierend zu lesen, wie es euch ergeht und was ihr er- und durchlebt! Aber sicher ist, denke ich, dass euch dieser Hike verändern und sehr prägen wird!

  6. Hi ihr Zwei alles Gelesen und für gut befunden 😉 macht weiter so und Passt auf euch auf und viel Spass euch Zweien. 🙂 Gr. Rainer.

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